Wirtschaft : Mitsprache statt Quote

BP-Chef Schmidt setzt auf Personalschulungen.

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Ansichtssache. Jeder soll seine Meinung sagen, findet Michael Schmidt. Foto: Mike Wolff Foto: Mike Wolff, TSP
Ansichtssache. Jeder soll seine Meinung sagen, findet Michael Schmidt. Foto: Mike WolffFoto: Mike Wolff, TSP

Von einer Frauenquote hält Michael Schmidt „herzlich wenig“. Das würde das Thema Vielfalt zu stark verkürzen, sagte der Vorstandsvorsitzende vom Mineralölkonzern BP Europa SE am Donnerstagabend bei der Konferenz DIVERSITY 2012 des Tagesspiegels. Wenn man schon eine Quote fordere, dann doch bitte eine für alle Unternehmen und Abteilungen. „Aber wer will schon bei der städtischen Müllabfuhr eine Quote durchsetzen?“, fragte Schmidt.

Sein Ansatz ist ein anderer. Besonders wichtig sei zum Beispiel, wie die Mitarbeiter miteinander umgehen. Und das müsse sich auch in den Personalentscheidungen wiederspiegeln. „Was machen Sie, wenn ein Vertriebsleiter zwar sehr gute Zahlen bringt, aber dafür die Mitarbeiter knechtet?“, fragte Schmidt das Publikum. Er, der bei BP mehrere Jahre den Bereich Personal verantwortet hat, habe auch schon „Topleute entlassen, weil es vom Verhalten her einfach nicht gestimmt hat“.

Das Problem sei nicht die Vielfältigkeit an sich: „Viele Unternehmen sind in ihrer Belegschaft längst vielfältig“, sagte Schmidt, „aber sie erkennen erst jetzt, was sie bislang dadurch haben brach liegen lassen“. Vielfalt müsse in den Unternehmensalltag integriert werden. Dazu gehöre auch, dass gegenseitige Wertschätzung nicht nur als Worthülse gebraucht werde. Die Mitarbeiter dürften nicht das Gefühl haben, „ihre vielfältigen Sichtweisen bei Arbeitsbeginn an der Pforte abgeben zu müssen“.

Vielfalt ist kein „Selbstläufer“, sagt Schmidt. Um sie zu erreichen und von ihr zu profitieren, müsse sich in den Unternehmensstrukturen etwas ändern. Zum Beispiel bei der Auswahl neuer Mitarbeiter. Die Entscheidung, wer eine ausgeschriebene Stelle bekomme, dürfe nur anhand der fachlichen und persönlichen Fähigkeiten des Bewerbers oder der Bewerberin gefällt werden. Bei BP werde deshalb jeder Mitarbeiter, der Personalentscheidungen trifft, besonders geschult. „Jeder muss bei sich selber die bewussten und unbewussten Wahrnehmungsfilter erkennen“, sagt Schmidt. Nur wer Vorurteile als solche identifiziere und sie hinterfrage, könne etwas ändern. Außerdem würde die Entscheidung, wer eine Stelle bekommt, bei BP immer von mehreren Personalern gemeinsam getroffen.

Insgesamt, sagt Schmidt, werde Vielfalt als Thema immer noch nicht wichtig genug genommen. „Sonst wären wir schon viel weiter.“ Carla Neuhaus

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