Wirtschaft : Mitsubishi: Der Chef des Automobilkonzerns will zurücktreten

Der Chef des japanischen DaimlerChrysler-Partners Mitsubishi Motors, Katsuhiko Kawasoe, will Medienberichten zufolge wegen eines Vertuschungsskandals seines Autokonzerns zurücktreten. Die Polizei hatte in der Nacht zum Montag Mistubishi-Büros durchsucht. Der Autohersteller hatte zuvor zugegeben, Defekte an Fahrzeugen jahrzehntelang systematisch vertuscht zu haben. Dem Konzern droht nun eine Anklage vor Gericht. Bei einem Treffen mit Top-Managern anderer Unternehmen der Mitsubishi-Gruppe habe Kawasoe (63) seine Bereitschaft zum Rücktritt bekundet, berichtete die Zeitung "Nihon Keizai Shimbun". Als wahrscheinlichster Nachfolger als Präsidenten nennen japanische Medien Kawasoes Stellvertreter Takashi Sonobe (59). Kawasoe werde wahrscheinlich Chairman. Er wolle zurücktreten, nachdem das Verkehrsministerium Disziplinarmaßnahmen gegen den Konzern ergriffen habe, berichtete die Agentur Kyodo.

Die Anteilseigner in der Mitsubishi-Gruppe wollen DaimlerChrysler nun um Einverständnis für einen Umbau des Management-Systems bitten, wie die "Nihon Keizai Shimbun" erfuhr. Kawasoe wolle darüber in Kürze mit DaimlerChrysler beraten. Das Unternehmen ist zu 34 Prozent an dem hochverschuldeten Konzern beteiligt und übt damit maßgeblichen Einfluss auf das Management aus. In einer Stellungnahme zu der Razzia der Polizei übernahm Kawasoe am Montag öffentlich die "volle Verantwortung, alles notwendige zu tun, um das Vertrauen" der Kunden wiederzuerlangen. Der Konzern werde so schnell wie möglich Maßnahmen ergreifen, um die Situation zu bereinigen und eine Wiederholung der Vorfälle zu verhindern. Kawasoe kündigte "strikte diszplinarische" Maßnahmen an. Die Aktien des Autokonzerns stürzten am Montag an der Tokioter Aktienbörse um 51 Yen oder 12,4 Prozent auf 361 Yen.

Beim Treffen mit Chefs der Mitsubishi-Gruppenfirmen habe Kawasoe eine Kürzung der Direktorengehälter angekündigt. Kawasoe habe zudem ein Managementsystem angeregt, das auf einer Vertiefung der Allianz mit DaimlerChrysler basiere, so die "Nihon Keizai Shimbun". DaimlerChrysler sei der Eckpfeiler des Management-Umbaus bei Mitsubishi Motors. Der japanische Autobauer hatte in der vergangenen Woche eingeräumt, dass Führungskräfte und Arbeiter seit 1977 wissentlich und systematisch Beschwerden von Kunden über Mängel an ihren Fahrzeugen geheim gehalten hätten. Dem Ministerium zufolge handelt es sich um 64 000 Fälle. Mitsubishi soll zudem seit mehr als 30 Jahren Fahrzeuge in die Werkstätten zurückgerufen haben, ohne dies dem Ministerium - wie vorgeschrieben - zu melden. Verkehrsminister Hajime Morita kündigte eine Klage gegen den Konzern an. Mit ihr wird Mitte September gerechnet. Es wäre das erste Mal, dass ein japanischer Autokonzern wegen Verstoßes gegen die Rückrufgesetzgebung von 1969 vor Gericht kommt.

Die Razzia bei Mitsubishi war die erste bei einem japanischen Autohersteller wegen der Rückrufgesetzgebung. Dabei wurde herausgefunden, dass in Mitsubishis Fabriken in Kawasaki und Okazaki Fahrzeugmängel heimlich repariert würden. Seit Juli musste der Autokonzern 620 000 Fahrzeuge wegen Mängeln an Bremsen, Benzinleitungen oder Kupplungen zurückrufen. Die Kosten hierfür werden auf rund 147 Millionen Mark geschätzt.

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