Wirtschaft : Mitsubishi Motors: Der japanische Autokonzern sucht Hilfe bei Daimler-Chrysler

Der von einem Vertuschungsskandal erschütterte japanische Autokonzern Mitsubishi Motors will einem Pressebericht zufolge seinen Partner Daimler-Chrysler bitten, einen neuen Unternehmenschef zu stellen. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Freitag unter Berufung auf Branchenkreise berichtete, soll der deutsch-amerikanische Autokonzern gebeten werden, einen Top-Manager zu entsenden, um den bisherigen Mitsubishi- Präsidenten Katsuhiko Kawasoe abzulösen. Der finanziell angeschlagene japanische Autohersteller hatte zugegeben, Defekte an Fahrzeugen jahrzehntelang systematisch vertuscht zu haben. Mitsubishi Motors droht nun eine Anklage. Kawasoe will Medienberichten zufolge wegen des Skandals zurücktreten, nachdem das Verkehrsministerium Disziplinarmaßnahmen gegen den Konzern ergriffen habe. Damit wird für Mitte dieses Monats gerechnet. Daimler-Chrysler hatte vor wenigen Monaten eine Kapitalbeteiligung von 34 Prozent an Mitsubishi beschlossen und wollte drei Manager in den Vorstand entsenden.

Mitsubishi kündigte am Freitag an, sich in Reaktion auf den Vertuschungsskandal künftig von Außenstehenden bei der Verbesserung interner Kontrollen beraten zu lassen. Eine Kommission, der unter anderem ein früherer Richter am Obersten Gerichtshof angehören soll, werde sich einmal im Monat treffen. Eine neu eingerichtete Stelle solle zudem Meinungen und Beschwerden von Mitarbeitern des Mutterkonzerns und angeschlossener Unternehmen sammeln.

Unterdessen wurde bekannt, dass Mitsubishi in Deutschland 32 000 Fahrzeuge in die Werkstatt zurückruft. Den Löwenanteil machen die Galant-Modelle der Baujahre 1993 bis 1995 aus, die unter anderem auf eine Leckstelle am Tank hin untersucht werden sollen. Außerdem seien Düsentreiber der Benzin-Einspritzanlage des Geländewagens Pajero Pinin möglicherweise schadhaft.

Die Absage eines Analystentreffens von Daimler-Chrysler sorgte am Freitag bei Branchenexperten für Verwirrung. In einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Schreiben begründete der Autokonzern die Absage des Treffens damit, dass einige Vorstände unvorhersehbare Termine wahrnehmen müssten. Das Unternehmen hatte die Analysten ursprünglich zu einem Treffen in Detroit vom 6. bis 8. September eingeladen. In dem Reuters vorliegenden Schreiben hieß es, da einige Vorstände nicht teilnehmen könnten, habe man sich für eine Verschiebung des Treffens auf ein noch zu benennendes Datum entschieden. Ein Analyst einer deutschen Bank bezeichnete die kurzfristige Absage als "sehr peinlich" für den Konzern. "Die würden es nicht absagen, wenn nicht etwas sehr Wichtiges dahinter stecken würde", sagte er. Bei einem anderen Analysten hieß es, die Streichung des Treffens gebe den Vermutungen über eine erneute Vorstandsumstellung bei Daimler-Chrysler neue Nahrung.

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