Wirtschaft : Mittal lässt bei Arcelor nicht locker

Stahlkonzern legt konkretes Angebot vor – bis zum 29. Juni müssen sich die Aktionäre entscheiden

Bernd Hops

Berlin - Der indisch-niederländische Stahlkonzern Mittal Steel macht ernst beim Übernahmekampf um den Konkurrenten Arcelor, zu dem auch Eko Stahl in Eisenhüttenstadt gehört. Am Donnerstag legte das Unternehmen sein detailliertes Angebot an die Arcelor-Aktionäre vor, nachdem die betroffenen europäischen Börsenaufsichtsbehörden grünes Licht dafür gegeben hatten. Insgesamt bietet Mittal bis zu 19,42 Milliarden Euro – davon maximal ein Viertel als Barzahlung und 75 Prozent in neuen Mittal-Aktien. Im Januar hatte der Konzern den Wert von Arcelor noch mit 18,6 Milliarden Euro beziffert. „Seitdem wir unser Angebot das erste Mal angekündigt haben, hat der Markt gezeigt, dass er die Strategie des Geschäfts gut findet“, wurde Konzernchef Lakshmi Mittal in einer Pressemitteilung zitiert. „Wir glauben weiterhin, dass unser Angebot sehr attraktiv ist.“

Die Mittal-Aktie verlor am Donnerstag zwar 2,4 Prozent auf 27,33 Euro. Seit Ende Januar bleibt aber immer noch ein Plus von rund fünf Euro. Auch die Arcelor-Aktie gab aktuell nach (minus 2,6 Prozent auf 32 Euro). Seit Januar hat sich das Papier damit aber immer noch um gut zehn Euro verteuert.

Hat Mittal Erfolg, dann würde der größte Stahlhersteller weltweit entstehen – mit einem Rohstahlausstoß von mehr als 100 Millionen Tonnen im Jahr und 320 000 Beschäftigten. Der dann zweitgrößte Hersteller, Nippon Steel, kommt auf 32 Millionen Tonnen. Der Stahlmarkt ist jedoch stark zersplittert. Mittal/Arcelor hätte einen Anteil von rund zehn Prozent.

Mittal lässt sich von einer Reihe von Abwehrmaßnahmen der Konkurrenz aus Luxemburg nicht abschrecken. Arcelor-Chef Guy Dolle hatte den gebotenen Preis als zu niedrig zurückgewiesen. Außerdem habe sein Unternehmen allein bessere Wachstumschancen. Mittals Behauptungen würden auf Illusionen fußen. Arcelor plant nun eine deutlich aufgestockte Dividende von 1,85 Euro, Aktienrückkäufe und die Übertragung der jüngst übernommenen kanadischen Dofasco auf eine Stiftung. Sollte Arcelor allerdings seine Pläne etwa zu der Dividende umsetzen, dann will Mittal sein Angebot senken. In den Unterlagen für die Aktionäre sind entsprechende Formeln enthalten. Dofasco soll weiterhin im Erfolgsfall an den deutschen Konzern Thyssen-Krupp weiterverkauft werden. Die entsprechende Vereinbarung floss in das offizielle Angebot an die Arcelor-Aktionäre ein. Von Gewerkschaftsseite war wiederholt kritisiert worden, dass Arcelor zur Abwehr der Übernahme Geld einsetzen wolle, das das Unternehmen eigentlich für Investitionen in den kommenden Jahren brauche.

Am heutigen Freitag soll von einer außerordentlichen Hauptversammlung bei Arcelor der Rückkauf von eigenen Aktien im Wert von bis zu fünf Milliarden Euro genehmigt werden.

Die europäischen Arcelor-Aktionäre haben zunächst bis zum 29. Juni Zeit, das Mittal-Angebot anzunehmen. Es gilt im Übrigen auch für Wandelanleihen, die Arcelor im Juni 2002 aufgelegt hatte, und für neue Aktien, die bis zum Ende der Bieterperiode im Zuge von Optionsprogrammen ausgegeben werden. Für die US-Anteilseigner gibt es noch kein Datum, denn hier steht die Genehmigung der Börsenaufsicht SEC noch aus.

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