Wirtschaft : Mittelbrandenburgische hält sich gut

Sparkasse bei der Vergabe von Krediten sehr vorsichtig / Kritik an Berlinern

BERLIN (dr).Er konnte sich am Montag abend fast in Rage reden - der Vorstandsvorsitzende der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam, Walter Schubert.Vor Pressevertretern in Berlin ging es nicht nur um die Zahlen für die ersten zehn Monate des laufenden Geschäftsjahres des Kreditinstituts, sondern auch um die beabsichtigte Fusion der Bankgesellschaft Berlin mit der Norddeutschen Landesbank (NordLB). Die Sparkassen im norddeutschen Raum hätten die NordLB immer sehr kritisch gesehen und stets betont "Es gibt bessere".Das Beispiel Bankgesellschaft Berlin 1996 zeige, daß der Gewährsträger (Landesbank) das private Institut hätte subventionieren müssen.Weiteres Argument: das Shareholder-value-Prinzip vertrage sich nicht mit der Gewährsträgerhaftung.Während die Privaten ihre Geschäftsziele nämlich der Gewinnmaximierung unterordnen müßten, hätten die Sparkassen andere Aufgaben, etwa der regionalen Begrenzung und Förderung.Bei einer Verbindung unter einem Dach, blieben öffentliche Aufgabe und Auftrag - beispielsweise die Strukturfunktion - auf der Streêke.Die Dividende würde aus der Substanz bezahlt und damit sozialisiert. Zudem zweifelte Schubert die derzeit bekannte Bewertung an.Sie gebe jedenfalls nicht 60 Prozent für Berlin und 40 Prozent für die NordLB her.Schließlich seien die kleineren Eigner, zu ihnen gehören die Sparkassen aus Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, zunächst überhaupt nicht gefragt worden.Doch dann auch der bemerkenswerte Satz: "Wenn öffentlich-rechtlich saubere Lösungen gefunden werden, würden sich auch die brandenburgischen Sparkassen nicht verschließen, sondern sich sogar daran beteiligen." Was genau mit dieser Aussage gemeint sei, ließ Schubert aber ausdrücklich offen. Für sein eigenes Geschäft konnte der Vorstandsvorsitzende gute Zahlen vorlegen.Der Zugang im Kreditgeschäft erhöhte sich per Ende Oktober um 6,7 Prozent, im ganzen Vorjahr erreichte er 7 Prozent.Bei den Einlagen hätte man sich mehr gewünscht, sie wuchsen per Ende Oktober nur um 1 Prozent.Dennoch blieb die Mittelbrandenburgische Sparkasse stark einlagenlastig.Sie erreichten in der Berichtszeit insgesamt 7 Mrd.DM gegenüber rund 2 Mrd.DM auf Kreditseite.Schubert wies jedoch den Vorwurf der Knausrigkeit weit von sich.Das Institut halte beispielsweise für das Kreditgeschäft 30 Prozent an Personal mehr vor, als rechnerisch gebraucht werde.Um gute Schuldner werde mit Margen gekämpft, die Erträge eigentlich nicht mehr zuließen. Die Darlehen betrafen mit 53 Prozent Privatpersonen und mit 43 Prozent Unternehmen.Von den Darlehenszusagen betrafen 17 Prozent das kurz- und mittelfristige Geschäft. Den Bewertungsbedarf bezifferte Schubert mit netto 8 Mill.DM für das gesamte Jahr.Noch zum Jahresanfang seien 16 Mill.DM befürchtet worden.Bis Ende November lag er bei netto 10 Mill.DM, aufgelöst wurden 6 Mill.DM.Als besonders problematisch bezeichnete Schubert die Hotellerie in Brandenburg.Hier würden vielfach Auslastungsquoten von 30 bis 35 Prozent erreicht.Die Umsätze reichten hier einfach nicht zur Deckung der Kosten.Gewisse Spuren zeigten sich auch im Kfz-Handel.Hier seien insbesondere kleinere Häuser betroffen, während die großen noch durchaus profitabel arbeiten könnten.Auch der Baubereich biete ein durchaus differenziertes Bild.Schließlich hätten Kleinaktionäre und Büroeinrichter wiederum stark zu kämpfen. Aber auch bei der Mittelbrandenburgischen wuchsen die Bäume nicht nur in den Himmel.Zwar wuchs der Bilanzgewinn vor Steuern um über 20 Prozent auf 38,5 Mill.DM.Auch die Zinssspanne lag immer noch bei über drei Prozent.Die Margen aber wurden immer geringer.So kam denn beim Betriebsergebnis vor Bewertung vieles aus aufgelösten Reserven.Auch bei der Steuerbelastung änderte sich einiges.Konnten im Vorjahr noch Sonderabschreibungen in Höhe von 15 Mill.DM in Anspruch genommen werden, werden es in diesem Jahr nur noch 10 Mill.DM sein.Bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse kletterte es um 1,98 Prozent auf rund 150 Mill.DM, bei den Sparkassen im Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverband (OSGV) waren es im Durchschnitt 1,4 Prozent auf etwa 143 Mill.DM.Ihre Bilanzsumme will die Mittelbrandenburgische Sparkasse bis zum Jahresende auf rund 8,5 Mrd.DM steigern.

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