Wirtschaft : Mittelgebirge statt Mittelmeer

Radtourismus wird immer wichtiger

Alfons Freese

Die Radfahrer retten das Klima. Ein bisschen jedenfalls. Wenn die Deutschen 1320 Kilometer im Jahr mit dem Rad zurücklegen, heute sind es im Schnitt 300 Kilometer, dann könnte der CO2-Ausstoß um bis zu 13 Millionen Tonnen/Jahr reduziert werden. Schätzt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). Also: Statt mit dem Billigflieger ans Mittelmeer, auf dem Fahrrad durchs Mittelgebirge. Völlig abwegig ist das nicht. Fast 21 Millionen der deutschen Urlauber (über 14 Jahre) nutzten im vergangenen Jahr das Fahrrad „als Urlaubsaktivität“, wie der ADFC ist seiner Radreiseanalyse schreibt. Auf dem beliebtesten Radweg an der Elbe zählten die Statistiker 145 000 Radfahrer. Und die bringen der Gästewirtschaft gutes Geld: Neun Tage waren die Radfahrer im Schnitt an der Elbe unterwegs und gaben 630 Euro aus.

Was der Radtourismus alles in allem der deutschen Wirtschaft bringt, lässt sich nicht genau sagen. In Rheinland-Pfalz hat man vor zwei Jahren gezählt: Auf die Radfahrer entfielen mit 341 Millionen Euro zehn Prozent der touristischen Wertschöpfung des Bundeslandes. Für Deutschland insgesamt hat der ADFC mal fünf Milliarden Euro veranschlagt – das ist aber ein paar Jahre her.

Die Entwicklung wird deutlich bei der Zahl der Bett-&-Bike-Betriebe: Vor zehn Jahren zählten ein paar hundert Hotels und Pensionen dazu, derzeit werben 4651 Häuser mit einem besonderen Service um die Radfahrer. Diese Betriebe nehmen Gäste auch für eine Nacht auf, haben abschließbare Fahrradräume und halten Werkzeug und Kartenmaterial bereit. Für die deutsche Tourismuswirtschaft sind Reisende auf dem Rad hochinteressant, denn fast vier Fünftel der Radreisenden machen ihre Tour hierzulande, vorzugsweise an den großen Flüssen. Die wichtigsten Auslandsziele sind Österreich, Frankreich, Italien und die Schweiz. Die Schweiz ist zwar teuer, hat aber nach Einschätzung des ADFC das beste Radwegenetz in Europa.

In Deutschland sind bisher erst drei Radwege vom ADFC ausgezeichnet worden, der Fürst-Pückler-Weg in der Lausitz, der Lahntalradweg und zuletzt eine dritte Route zwischen Rhön und Main. Ein hervorragender Radweg zeichnet sich nicht nur wegen der guten Befahrbarkeit aus, sondern auch durch gute Ausschilderung. Der ADFC arbeitet an zwölf sogenannten D-Netz-Routen mit insgesamt knapp 12 000 Kilometern Länge, sozusagen die großen Radverkehrsadern durchs ganze Land. Die sind auch Bestandteil des Nationalen Radverkehrsplans der Bundesregierung für die Dekade 2002 bis 2012. Der Bund gibt im Jahr etwa zwei Millionen Euro aus, um mit Broschüren und Veranstaltungen die Radinfrastruktur bekannt zu machen.

Radfernwege, die mindestens 100 Kilometer lang sind, gibt es inzwischen gut 200. Das ist reichlich, wie es selbst beim ADFC heißt. Handlungsbedarf gibt es noch bei der Qualität, vor allem der Wegweisung, die trotz aufkommender GPS-Navigationssysteme noch immer gebraucht werden. Auch für die Ausländer übrigens: Immer mehr Österreicher, Schweizer, Holländer und Skandinavier sind auf den deutschen Radwegen unterwegs. An der Elbe liegt ihr Anteil bei sechs Prozent. Da ist noch Potenzial nach oben. Alfons Frese

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