Mittelstand : Maschinenbau am Boden

Bestellungen gehen seit Monaten drastisch zurück, auch der Export bricht ein. Noch setzen die Firmen auf Kurzarbeit, doch Entlassungen stehen bevor.

Wolfgang Gillmann (HB)
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DüsseldorfDie weltweite Rezession trifft die deutschen Maschinenbauer den neunten Monat in Folge mit voller Härte. Nach Angaben des Branchenverbandes VDMA sanken die Bestellungen im Juni um 46 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Auch im Vergleich zum bereits schwachen Mai hat sich die Lage verschlechtert. „Es deutet sich leider noch keine Entspannung an“, sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.

Die Auftragseingänge fallen seit Jahresanfang mit Raten zwischen 40 und 50 Prozent. Die mittelständisch geprägte Branche ist stark exportorientiert und spürt weltweit, dass ihre Absatzmärkte wegbrechen. Mit einem Umsatz von 205 Milliarden Euro im Jahr 2008 ist der Maschinenbau die zweitgrößte deutsche Industriebranche nach den Autoherstellern – und der größte industrielle Arbeitgeber.

Bisher ging der Verband davon aus, dass die Produktion im laufenden Jahr um zehn bis 20 Prozent fallen würde. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Hannes Hesse, sagte jetzt, ein Rückgang von 15 bis 20 Prozent sei wahrscheinlich. Derzeit liege die Branche bei einem Minus der Produktion von 17 bis 18 Prozent. Die Auslastung beträgt inzwischen nur noch bei 69 Prozent, im April hatte sie noch 72 Prozent betragen.

Mit Rückgängen von 46 und 45 Prozent bei den Bestellungen läuft das Inlandsgeschäft ebenso schlecht wie die Exporte. Einziger Lichtblick für den Maschinenbau ist China als größter Auslandsmarkt. Die Exporte nach China stiegen von Januar bis Mai um drei Prozent. Dagegen läuft das Geschäft mit den USA und vor allem Russland schlecht.

Bisher versuchen die Maschinenbauer überwiegend, die Konjunkturkrise mit Kurzarbeit zu überwinden. Nach Angaben des VDMA arbeiten im Durchschnitt 54 Prozent der Unternehmen kurz, die Zahl der Kurzarbeiter werde wohl weiter steigen. Die Zahl der Beschäftigten lag Ende Mai mit 936 000 um 18 000 unter dem Stand von Ende 2008. Der Verband erwartet, dass die Unternehmen 2009 bis zu 60 000 Stellen streichen werden.

Inzwischen gehen immer mehr Firmen zu Entlassungen über. Die Heidelberger Druckmaschinen AG verhandelt seit Anfang Juli über die Entlassung von 2500 Beschäftigten. Und der Spezialmaschinenbauer Gea erhöhte die Zahl der geplanten Stellenstreichungen von 800 auf 1300 der noch 21 000 Arbeitsplätze. Bei Gea liegt der Auftragseingang im zweiten Quartal zwar nur um 18,6 Prozent unter dem Vorjahr, das Ergebnis fiel allerdings von 72,5 auf 32,4 Millionen Euro.

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