Wirtschaft : Mittelstand schafft bis zu 120 000 Jobs

Umfragen zeigen großen Optimismus bei Firmenchefs – nur die Finanzmärkte erwarten weniger Wachstum

Ina Brzoska

Berlin - Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland machen wieder bessere Geschäfte und stellen neue Mitarbeiter ein. Die Betriebe schufen in diesem Jahr 100 000 bis 120 000 zusätzliche Arbeitsplätze, teilte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Dienstag mit. Drei von vier Mittelständlern erwarten auch für die kommenden zwölf Monate bessere oder gleichbleibende Geschäfte, ergab eine andere Umfrage im Auftrag der Sparkassen und der Zeitschrift „Impulse“. Trotzdem ging der Konjunkturindex des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) weiter zurück.

Bei den mittelständischen Unternehmen, die mehr als 90 Prozent der deutschen Wirtschaft stellen, seien die Umsätze gestiegen, sagte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl: „Wir haben einen Frühling im Herbst.“ Nach der Befragung bei 4000 Betrieben, schätzten rund 43 Prozent der Mittelständler die aktuelle Lage als gut oder sehr gut ein. Nur noch fünf Prozent äußerten sich unzufrieden. Jobmotoren seien Dienstleister, Handel und vor allem der Maschinenbau.

Eine Studie von Sparkassen, „Impulse“ und dem Bonner Institut für Mittelstandsforschung ergab, dass 70 Prozent der Unternehmen weiter investieren wollen. „Es ist ein Aufschwung aus eigener Kraft", sagte Karl-Peter Schackmann-Fallis, Geschäftsführer des Deutschen Sparkassenverbands, am Dienstag in Berlin. Bisher habe der Reformstau die Konjunktur noch nicht bremsen können, sagte er. Ein knappes Drittel der Unternehmen rechnet auch in den kommenden sechs Monaten mit Umsatzzuwächsen – trotz der ab 2007 steigenden Mehrwertsteuer. Im Herbst vergangenen Jahres waren dies erst gut 22 Prozent.

Nicht nur beim Mittelstand, auch in der Maschinenbaubranche steigt der Personalbedarf. Die Firmen würden in diesem Jahr 10 000 Arbeitsplätze schaffen, sagte Dieter Brucklacher, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Einschränkend sagte er mit Blick auf weitere Reformen: „Ich halte weitere Neueinstellungen nur für möglich, wenn die Politik mitzieht.“ Brucklacher forderte eine Lockerung des Kündigungsschutzes und mehr Flexibilität für betriebliche Bündnisse.

Im Gegensatz zum Mittelstand stieg bei Finanzexperten der Pessimismus über die weitere Konjunkturentwicklung. Der monatlich durch eine Umfrage bei rund 300 Analysten und Investoren erhobene ZEW-Index sank im Oktober um 5,2 Punkte und steht nun bei minus 27,4 Punkten. Das ist der niedrigste Wert seit mehr als 13 Jahren. Als Gründe nannte das ZEW die mögliche Abkühlung der US-Wirtschaft, steigende Leitzinsen und die höhere Steuerlast. Fachleute äußerten sich aber zurückhaltend. „Der ZEW-Index gibt an, ob sich das Wachstum beschleunigt oder verlangsamt, sagt aber nichts darüber aus, wie ausgeprägt die Verlangsamung sein wird“, ergänzte Holger Schmieding, Europa-Chefökonom der Bank of America. Das ZEW selbst rechnet damit, dass die Finanzmarktprofis bald wieder optimistischer werden. „Die gute Nachricht ist, dass die Erwartungen sich anschicken zu stabilisieren“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

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