Mittelstand : Wolken am Horizont

Dem industriellen Mittelstand geht es blendend, die hohen Energiekosten sind und bleiben jedoch eine Belastung. Auch wegen der schwächelnde Nachfrage im Inland fürchten die Unternehmer schlechtere Bedingungen.

Stefan Kaiser
Pumpe Foto: Laif
Die Angst vor hohen Ölpreisen belastet die mittelständischen Unternehmen. Rohöl war am Freitag auf den Rekordstand von 139 Dollar...Foto: Laif

BerlinDer deutsche Mittelstand zeigt sich trotz Finanzkrise und rasant steigender Energiepreise in bester Verfassung. Laut einer Umfrage des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) schätzt mehr als die Hälfte (56,3 Prozent) der befragten Unternehmen die eigene Lage als gut oder sehr gut ein. Nur 15 Prozent bezeichnen die Lage als schlecht. Damit beurteilen die Firmen die aktuelle Situation noch einmal deutlich positiver als im Aufschwungjahr 2007. "Die Stimmung ist besser als erwartet", sagte Arndt Kirchhoff, Vorsitzender des BDI-Mittelstandsausschusses, bei der Präsentation der Umfrageergebnisse am Montag.

Zusätzliche Kapazitäten werden aufgebaut

Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) hatte zwischen Mitte März und Ende Mai im Auftrag des BDI, der Mittelstandsbank IKB und der Beratungsgesellschaft Ernst & Young gut 2000 Unternehmen befragt. Knapp 22 Prozent davon erwarten steigende Investitionsausgaben, rund 28 Prozent wollen weniger investieren. "Ein Ende des Investitionszyklus' ist nicht in Sicht", sagte IKB-Chefvolkswirt Kurt Demmer. "Vor allem die großen Unternehmen wollen ihre Investitionen ausweiten." Dabei verschiebe sich der Schwerpunkt von Ersatzinvestitionen auf Erweiterungsinvestitionen. Die Firmen ersetzen also nicht mehr nur alte Anlagen und Maschinen, sondern bauen auch zusätzliche Kapazitäten auf.

Auch bei den Mitarbeitern wollen viele aufstocken: Ein Viertel der Befragten plant, in diesem Jahr neue Arbeitsplätze im Inland zu schaffen, 60,5 Prozent wollen die Zahl der Jobs konstant halten.

Wolken am Horizont

Trotzdem trüben sich die Aussichten im Mittelstand leicht ein. Während im vergangenen Jahr 60 Prozent der Unternehmen ihren Umsatz steigerten, rechnen nun nur noch 44 Prozent mit wachsenden Erlösen. Für den Herbst erwartet nur noch jede zweite Firma (50,7 Prozent) eine gute oder sehr gute Geschäftslage. "Die Unternehmen sind nicht mehr ganz so optimistisch", sagte IfM-Geschäftsführer Frank Wallau. "Am Horizont ziehen Wolken auf."

Die dickste Wolke dürften die dramatisch gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise sein. Sie wurden von den befragten Unternehmen als wichtigster Belastungsfaktor genannt. Vor allem der hohe Ölpreis bereitet den Unternehmen Sorge. Er hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdoppelt und hatte am Freitag den Rekordstand von 139 Dollar pro Fass (159 Liter) erreicht. Damit steigen nicht nur die Preise für Ölprodukte wie Plastik, sondern auch die Transportkosten. Am Montag ging der Preis zunächst zurück. Experten erwarten jedoch eine Fortsetzung der Rekordjagd, die dann auch die deutsche Wirtschaft stärker treffen könnte. "Man muss schon befürchten, dass die Ertragslage der Unternehmen deutlicher in Mitleidenschaft gezogen wird", sagte IKB-Volkswirt Demmer. Beim BDI hofft man, dass die hohen Energiepreise nur vorübergehend sind. "Wir können diese Spekulationsblasen nicht nachvollziehen" sagte Kirchhoff. Den Unternehmen sei es bisher gelungen, "die höheren Preise weiterzugeben, bis hin zum Endverbraucher".

Neben den hohen Preisen machen den Firmen die Nachfrageentwicklung im Inland sowie die Unklarheit über die künftigen politischen Rahmenbedingungen zu schaffen. Viele gehen davon aus, dass sich die Bedingungen in den kommenden zwölf Monaten verschlechtern werden.

Weniger Sorgen bereitet derzeit die internationale Finanzkrise. "Das Finanzierungsumfeld bleibt für die Unternehmen weiterhin gut", sagte Bankvolkswirt Demmer. "Es ist nicht erkennbar, dass wir in die Situation einer Kreditklemme kommen."

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