Wirtschaft : Mittelstandsbank startet letzten Versuch

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Berlin. Die Aktionäre und Kunden der Bank für kleine und mittlere Unternehmen (BkmU) haben sich auf die Seite von Aufsichtsrat und Vorstand gestellt. „Wir fordern die unverzügliche Aufhebung des Moratoriums und die Einstellung des Insolvenzverfahrens“, sagte der Sprecher der Interessengemeinschaft der BkmU, Uwe Richter, am Donnerstag in Berlin. Kunden und Aktionäre müssten massive Verluste befürchten. Das Amtsgericht Charlottenburg prüft, ob ein Insolvenzverfahren eingeleitet wird. Bank und Aktionäre befürchten, dass dieses geschieht.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) hatte Mitte Mai ein Moratorium über die 1994 gegründete Bank verhängt. Dabei wird das Institut für den Kundenverkehr geschlossen und darf nur noch Zahlungen entgegennehmen, die zur Tilgung von Krediten gegenüber der Bank bestimmt sind. Begründet hatte das BAFin den Schritt damit, dass die Bank überschuldet sei. Aufgrund eines „Swap-Geschäfts“, bei dem die BkmU ihr gesamtes Firmenkreditgeschäft im Volumen von 120 Millionen Euro an die vom Investmenthaus Goldman Sachs eingerichtete Double Six Ltd (DSL) auslagern wollte, sei das Eigenkapital überzogen worden. Zudem kritisiert die Aufsicht, dass ihr für 1999 und 2000 Geschäftsberichte von Wirtschaftsprüfern vorgelegt wurden, die das Amt als „fachlich nicht geeignet“ einstuft. Auch an den organisatorischen Abläufen übte die Aufsicht Kritik.

Die Interessengemeinschaft und die Bank meinen, dass die Schließung ungerechtfertigt ist. „Wir haben schließlich Berichte von renommierten Wirtschaftsprüfern, die das Swap-Geschäft gut heißen“, sagt Gründerin Marlene Kück, die jetzt im Aufsichtsrat sitzt. In der Tat steht in einem Prüfungsbericht von Arthur Andersen, der dem Tagesspiegel vorliegt, dass das Geschäft „wirtschaftlich tragfähig“ sei. Auch Ernst & Young beurteilte das Swap-Geschäft „im Gesamtzusammenhang als wirtschaftlich tragfähig“. Die Bankenaufsicht bezieht sich dagegen auf die Wirtschaftsprüfergesellschaft Deloitte & Touche, die im Auftrag des Amtes geprüft und am 2. Mai auf die „Gefahr einer Überschuldung“ hingewiesen hatte. Die Aktionäre hatten dem Swap-Geschäft im April mit 99,1 Prozent zugestimmt. Die Bank habe die Aufsicht detailliert über das Swap-Geschäft informiert und keine ablehnende Rückmeldung erhalten, sagen sowohl Richter als auch Kück. Insgesamt geht es jetzt um eine Summe von 70 Millionen Euro, die nicht abgesichert ist. 20 Millionen von Privatanlegern, 27 Millionen von Aktionären und 23 Millionen von institutionellen Anlegern. Bei den Privatanlegern greift nur die Mindestsicherung durch die Entschädigungseinrichtung der deutschen Banken. Das heißt, dass bei einer Einlage bis zu 20 000 Euro 90 Prozent zurückerstattet werden. Für diejenigen, die mehr als 20 000 Euro angelegt haben, hat Kück inzwischen mit einer anderen Bank ausgehandelt, dass sie die Einlagen übernimmt.

Am Montag hat Kück zusammen mit der Interessengemeinschaft einen letzten Rettungsversuch unternommen und der Bankenaufsicht angeboten, Anleihen in Höhe von 40 000 Euro in Eigenkapital umzuwandeln. Eine Antwort steht noch aus. Da jetzt die Insolvenz geprüft wird, scheint eine positive Resonanz aber unwahrscheinlich.

Flora Wisdorff

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