Mittelstandsreport : Berliner Wirtschaft im Höhenflug

Die Berliner Wirtschaft wächst und wächst, Start Ups und Mittelständler sind die wichtigsten Treiber. Kommen jetzt noch Firmen aus Großbritannien?

Sebastian Gluschak
Juergen Allerkamp, Chef der Investitionsbank Berlin, sieht keine Gefahren für das Wachstum in der Hauptstadt.
Juergen Allerkamp, Chef der Investitionsbank Berlin, sieht keine Gefahren für das Wachstum in der Hauptstadt.Foto: Davids

Entspannte Gesichter und flapsige Sprüche sorgten für eine heitere Stimmung bei der Pressekonferenz am Mittwoch und deuteten die Umfrageergebnisse bereits an. „Berlin ist auf der Überholspur“, sagte Christian Wolfram, Präsident der Creditreform, über das Berliner Wachstum. Jürgen Allerkamp, Chef der landeseigenen Investitionsbank (IBB), setzte noch einen drauf: „Die Party geht weiter und ich habe keine Angst vor dem Kater.“

Die Zahlen sprechen für sich – 64,5 Prozent aller kleinen und mittelständischen Berliner Betriebe (KMU’s) bewerten die aktuelle Geschäftslage gut bis sehr gut. Der Umsatz ist bei 85 Prozent der Firmen mindestens stabil. Als Grund für die Hochkonjunktur wurde allem die Binnennachfrage genannt, die unter anderem durch das Bevölkerungswachstum gestärkt wird. Und auch die Gründerszene entwickle sich immer mehr zu einer relevanten Industrie.

„Alle 20 Stunden entsteht ein neues Start Up“, sagte Wolfram.

Arbeitslosigkeit so niedrig wie seit der Wende nicht mehr

Die Arbeitslosigkeit in Berlin liegt derzeit bei 9,5 Prozent, das ist Rekord für die Zeit nach 1990. Doch damit ist nicht Schluss, denn der Report weist auch auf, dass Unternehmen gerne noch mehr einstellen würden, aber nicht die erforderlichen Leute finden. Darunter leidet vor allem das verarbeitende Gewerbe, aber auch der Dienstleistungssektor.

Kurios scheint auf den ersten Blick die Bilanz der Handelsunternehmen, die sowohl einen Zuwachs in den Sparten „gute Geschäftslage“ wie auch „mangelhafte Geschäftslage“ vermelden – will heißen, die Schere in diesem Sektor geht auseinander. „Das ist auf die unterschiedlichen Erwartungen des stationären und des Online-Handels zurückzuführen“, interpretiert Allerkamp diese Entwicklung.

Start Ups sind „Motor der Beschäftigung“

Obwohl der Großteil der Berliner KMU’s innerhalb der letzten 25 Jahre gegründet wurde, haben nur knapp 30 Prozent von ihnen eine Digitalstrategie. Viele Unternehmer gaben an, vor dem Zeitaufwand und dem möglichen Investitionsbedarf zurückzuschrecken. „Man sollte aufhören, das Thema Digitalisierung als technologischen Prozess zu betrachten, sondern als veränderte Unternehmenskultur, die Kommunikation, Strategie und Prozesse unterstützt“, sagt Allerkamp dazu. 60 Prozent der befragten Unternehmen forderten mehr Unterstützung. In puncto Infrastruktur wurde zudem die Berliner Netzgeschwindigkeit moniert.

Kommen die Start Ups aus London bald zu uns?

Seit der Brexit in Sicht ist, hat der Standortwettbewerb um Start Ups rasant Form angenommen. Die unzähligen Start Ups und die wachsende Investorenlandschaft ziehen schon jetzt sehr viele ausländische Kreativunternehmer an. Für Allerkamp ist klar, dass Berlin im Falle eines Brexits profitieren würde. „Die Stadt Berlin ist als solche sehr attraktiv und noch immer günstig, da braucht es nicht einmal Förderungen um internationales Talent anzuziehen.“ So einfach kann es manchmal sein.

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