Wirtschaft : Mitten im Medienzirkus

Kalifornische Investmentfirma hat den deutschen Markt entdeckt

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Berlin. Die USBeteiligungsgesellschaft Hellman & Friedman mit Sitz in San Francisco ist keine Unbekannte im deutschen Medienzirkus. Immer, wenn es in den vergangenen Jahren ein interessantes Geschäft zu machen gab, waren die Kalifornier involviert. Formel1, Fernsehen, Zeitungen – Hellman&Friedman hob stets den Finger. Mit wechselndem Erfolg. Der Einstieg bei Springer zählt zu den ganz großen Deals.

Im vergangenen Oktober entwickelte sich bei Hellman & Friedman die Idee, bei Springer einzusteigen. Unternehmenschef Brian Powers und Patrick Healy hatten in Deutschland gute Erfahrungen gemacht. Sie hatten Formel-1-Chef Bernie Ecclestone Anfang 2000 37,5 Prozent an der Formel-1-Holding Slec abgekauft und mit gutem Gewinn an die Münchener Aufsteiger von EM.TV verkauft. „Das war ein sehr ungewöhnlicher Deal in einer sehr ungewöhnlichen historischen Phase“, sagt Healy. Einfaches Geld. Auch beim Pro-Sieben-Einstieg des US-Investors Haim Saban hat er mitgewirkt – und zuletzt viel Zeit in Deutschland verbracht.

Seit vergangenem Oktober laufen die Gespräche mit Springer. „Wir haben viel Zeit investiert“, sagt Harvard-Absolvent Healy. Seit April treffen sie sich oft mit „Friede“ – Healy vermeidet Nachnamen – und den Springer-Managern, verhandeln mit der Deutschen Bank, und nach der Due-Diligence-Prüfung wird man sich einig. Ein Teil des Deals ist, dass Powers, als früherer Aufsichtsratschef des australischen Medienkonzerns John Fairfax ein Branchenkenner, in das Kontrollgremium der Springer AG einzieht. Und was erwartet Healy von Springer? „Dass sie mehr Zeitungen verkaufen, natürlich.“

Hellman&Friedman wurde 1984 gegründet. Der Finanzinvestor sammelt große Summen von privaten und institutionellen Anlegern ein und investiert sie in aussichtsreiche Unternehmen – vor allem aus der Medienindustrie. Hellman & Friedman verwaltete seit seiner Gründung nach eigenen Angaben insgesamt mehr als 4,8 Billionen Dollar, die weltweit in mehr als 40 Firmen investiert wurden. Nach eigenen Angaben wird im Jahr nur in maximal vier Unternehmen investiert, um sich ausführlich mit den entsprechenden Projekten beschäftigen zu können. Bislang war die Beteiligungsgesellschaft vor allem in den USA tätig, will aber nach eigenen Angaben künftig auch in Europa und Australien Schwerpunkte setzen. Firmenchef Brian Powers hatte früher in Australien die Zeitungsgruppe John Fairfax sowie die Mediengruppe Publishing and Broadcasting geführt. tag/HB/Tsp

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