• MLP gilt als Favorit für den Dax-Aufstieg: Der Finanzdienstleister könnte Adidas oder Karstadt ablösen

Wirtschaft : MLP gilt als Favorit für den Dax-Aufstieg: Der Finanzdienstleister könnte Adidas oder Karstadt ablösen

mm/bfr

Am Dienstagabend entscheidet der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse in Frankfurt über Auf- und Absteiger in den wichtigsten deutschen Börsenbarometern. Für den 30 Standardwerte umfassenden Dax steht der Finanzdienstleister MLP (Marschollek, Lautenschläger & Partner) aus Heidelberg ganz oben auf der Favoritenliste für den Aufstieg. Das Unternehmen zählt insbesondere Jung-Akademiker zu seinem Kundenkreis und berät über Versicherungen, Vermögensanlagen und Finanzierungen. Die Aktie gehört zurzeit dem M-Dax an, dem Index für 70 mittelgroße Werte. MLP erfüllt die so genannte 35/35-Regel als Voraussetzung für die Dax-Aufnahme - das heißt, sowohl beim Börsenumsatz als auch bei der Marktkapitalisierung gehört es zu den 35 führenden Unternehmen. Allerdings gibt es neben diesen beiden harten auch noch so genannte weiche Kriterien für die Index-Besetzung - beispielsweise, dass einzelne Branchen nicht zu stark oder zu schwach in dem Index repräsentiert sein sollen. Deshalb ist der MLP-Aufstieg auch noch nicht sicher, denn der Dax ist bereits stark mit Finanztiteln besetzt, was bei einer früheren Umbesetzung schon einmal bei dem Versicherer Ergo als Aufstiegskandidat eine Rolle spielte. Mögliche Absteiger sind Adidas-Salomon und Karstadt. Karstadt liegt in der Marktkapitalisierung vor Adidas, hat aber den geringeren Streubesitz, der künftig als Auswahlkriterium stärker in den Blickpunkt geraten dürfte. Die Spekulationen über die Umbesetzung war auch bereits an den Kursen abzulesen - zumindest bei MLP, die in den vergangenen Tagen kräftig zugelegt, und bei Adidas, die verloren haben. Berücksichtigen wird der Arbeitskreis auch, dass die Post im Herbst an die Börse geht und in den Dax kommen könnte.

In den M-Dax könnten Techem, die Tecis Holding und Takkt für die Übernahmekandidaten Gerresheimer Glas, Schmalbach-Lubeca und Klöckner Werke aufrücken. Die meisten Auswechslungen stehen beim Nemax-50-Index der 50 wichtigsten Aktien des Neuen Marktes an. Die starken Kursschwankungen verändern hier die Reihenfolge in der Marktkapitalisierung besonders stark. Hier könnten etliche Werte herausfallen: Fortune City, Infor Business, Nemetschek, Pfeiffer Vacuum, Cybernet, Gauss Interprise, Utimaco Safeware, Infomatec, Teles und Edel Music. Gute Chancen auf einen Aufstieg haben die Electronic-Logistik-Werte Thiel und D.Logistics sowie Balda, Kontron, Comroad, Entrium, Norcom, IM International Media sowie Web.de. Am Neuen Markt gewinnt die Zugehörigkeit zum viel beachteten Nemax-50 immer mehr an Bedeutung. Denn mit der Neuemissionsflut sind inzwischen über 300 Unternehmen an der Technologiebörse notiert - entsprechend ist der Markt immer unübersichtlicher geworden. Um so mehr orientieren sich große Investoren wie Investmentfonds zunehmend an den großen Werten und damit an der Benchmark (Maßstab) Nemax-50 und investieren die Anlagegelder in diese Werte. Denn bei den vielen kleinen Werten geht die Übersicht verloren und deren Börsenumsatz - also die Liquidität - ist oft zu niedrig, um in kritischen Phasen schnell aus der jeweiligen Aktie aussteigen zu können.

Weiteres wichtiges Thema wird bei der Sitzung des Arbeitskreises der Streubesitz sein. Bisher noch zählt die gesamte Marktkapitalisierung als Index-Kriterium. Der Anbieter der europäischen Stoxx-Indizes legt bei seiner nächsten Umbesetzung im September bereits dieses Kriterium an. Basis für die Berechnung der Marktkapitalisierung sind dann die frei handelbaren Aktien eines Unternehmens - die Aktien, die in festen Händen sind, werden nicht mehr mitgerechnet. Es ist zu erwarten, dass auch die Deutsche Börse dieser Entwicklung folgen wird und eine Ankündigung diese Woche kommen könnte - sie würde aber die anstehende Umbesetzung noch nicht betreffen.

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