Wirtschaft : MLP wehrt sich gegen Manipulationsvorwurf

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Berlin/Frankfurt (Main) (tia/rtr). Erneute Spekulationen über Bilanzmanipulationen von MLP haben die Aktie des Finanzdienstleisters kräftig unter Druck gesetzt. Das Anlegermagazin „Börse Online“ hatte am Mittwochabend gemeldet, MLP habe in den Jahren 2000 und 2001 zu hohe Gewinne ausgewiesen. Daraufhin brach der Kurs am Mittwoch um mehr als 15 Prozent ein; am Donnerstag setzte sich die Talfahrt fort und das Papier verlor zeitweise sieben Prozent, es schloss mit einem Minus von 2,31 Prozent.

MLP wehrte sich gegen den „Wust von Unwahrheiten und Tatsachenverdrehungen“ und erwägt rechtliche Schritte gegen das Magazin. Das Unternehmen spricht von einem „Versuch, MLP gezielt zu schaden“. Auch nach Analystenmeinung ist an den Vorwürfen nicht viel dran. Bereits im Mai hatte „Börse Online“ mit einem ähnlichen Bericht für einen Kurssturz der MLP-Aktie gesorgt.

Der Heidelberger Finanzdienstleister soll dem Artikel zufolge Beraterprovisionen (Materialaufwand) nicht periodengerecht gegen „sonstige Vermögensgegenstände“ verbucht haben. Diese Bilanzposition, in der unter anderem die Provisionen übersteigenden Vorschusszahlungen an die Berater verbucht würden, sei gestiegen, während der Materialaufwand – also die Provisionen – trotz steigender Beraterzahlen nahezu stagniert habe. Auch im Einzelabschluss der MLP Lebensversicherung AG gebe es Unstimmigkeiten. Börse Online konstatiert „zunehmende Zweifel an der Bilanzierung von MLP“ und spekuliert über „einen drohenden Rückschlag der Aktie unter die Marke von zehn Euro“. Am Abend lag der Kurs bei 32,52 Euro.

Die Finanzanalystin Birgit Grüner von der Bankgesellschaft Berlin sagte, die Betrachtungsweise von „Börse Online“ bei den Beraterprovisionen sei nicht ausreichend differenziert. Die Umstellung von der statischen zu einer dynamischen Berechnungsweise bei der Lebensversicherung bereite ihr ebenfalls keine Probleme. Karsten Keil, Analyst von Helaba Trust, hält die Erklärung von MLP nach den jüngsten Vorwürfen für plausibel. Birgit Grüner bewertet die angeblichen Ungereimtheiten im Rückversicherungsgeschäft, die Mitte Mai für den MLP-Kurseinbruch sorgten, als wesentlich brisanter als die neuen Vorwürfe.

Insgesamt macht sie zwei Faktoren für den Absturz der MLP-Aktie verantwortlich: Die allgemein schwache Kapitalmarktentwicklung und das derzeit starke Misstrauen gegenüber Unternehmensbilanzen – eine Folge der Vorfälle um das US-Unternehmen Enron. Das beträfe MLP besonders stark, „weil das Geschäftsmodell nicht ganz einfach zu verstehen ist“. Aus fundamentaler Sicht sei das Unternehmen aber intakt, die Ergebnisse des ersten Quartals nicht schlecht.

Seit die MLP-Aktie Ende Juli 2001 erstmals im Dax notiert wurde, damals mit 96,20 Euro, hat sie permanent an Wert eingebüßt, seit Mitte Mai mehr als 40 Prozent. Vor den ersten Gerüchten über Bilanzmanipulationen war es besonders die hohe Bewertung, die den Kurs des Dax-Neulings drückte.

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