Wirtschaft : Mobil und günstig mit Telefonkarten

Calling Cards sind preiswert, haben aber ihre Tücken

Susanne Herr

Go Bananas, Après-Ski, Hello Africa. Hinter Namen, die sich anhören wie die Angebote eines Reiseveranstalters, stecken bunte Plastikkärtchen – die Calling Cards. Ein kleines Stück große weite Welt versprechen aber auch sie: Billige Telefongespräche rund um den Globus. Richtig eingesetzt helfen sie, eine Menge Geld zu sparen.

Calling Cards sind Guthabenkarten, die von jedem Telefonanschluss genutzt werden können. Dazu wählt man eine kostenlose 0800-Zugangsnummer und gibt entweder sofort oder nach einem Rückruf des Anbieters die Pin-Nummer auf der Calling Card ein. Danach wählt man die gewünschte Rufnummer. Erhältlich sind die Karten im Internet, in speziellen Telefonläden sowie an manchen Kiosken und Tankstellen.

Doch für wen lohnt sich dieser Aufwand? „Calling Cards nützen vor allem dann, wenn bei einem Telefonanschluss Call-by-Call-Anbieter gesperrt sind“, erklärt Martin Müller vom Verbrauchermagazins Teltarif.de. Das betrifft zum Beispiel Festnetzanschlüsse in Hotels und Handys. Ein Test der Stiftung Warentest hat ergeben, dass besonders Nutzer von Prepaid-Handys von Calling Cards profitieren können. So kostet zum Beispiel eine Gesprächsminute mit der Prepaid-Karte O2 Loop Classic bis zu 86 Cent, mit zusätzlicher Calling Card von CS-Telecom dagegen nur 45 Cent. Nutzer mit Handy-Vertrag müssen dagegen genau rechnen, denn oft kommen sie mit ihren regulären Tarifen besser weg. Auch für Anrufe innerhalb des deutschen Festnetzes sind Calling Cards weniger geeignet: Call-by-Call-Anrufe sind in den meisten Fällen billiger.

Die zweite Zielgruppe für Calling Cards in Deutschland sind Personen, die lange Gespräche ins Ausland führen. Der Anbieter CPE hat für diese Kunden die Calling Card „Palme d’Or“ aufgelegt. „Das Produkt hat eine höhere Verbindungsgebühr, dafür sind aber die Minutenpreise niedriger“, erklärt Norbert Weissmann, Marketing-Direktor von CPE. So kostet eine Minute vom deutschen Festnetz nach China mit der Palme d’Or-Karte 3,6 Cent, beim laut Teltarif.de billigsten Call-by-Call-Anbieter 010012 aber schon 6,9 Cent. Dafür zahlt man aber bei den Telefonkarten eine einmalige Gebühr für den Aufbau des Gesprächs. Daher lohnen sich die Karten vor allem für lange Telefonate. Ein halbstündiges Telefonat mit der Palme d’Or-Karte kostet nur 146,1 Cent gegenüber 207 Cent bei 010012.

Drittes Anwendungsgebiet für Calling Cards sind Telefonate vom Ausland nach Deutschland. „Zu unseren Kunden gehören insgesamt 900 Speditionen“, erklärt Geschäftsführer Volker Groß. „Mit unserer Karte telefonieren LKW-Fahrer mit ihrem Handy zum Beispiel aus Österreich nach Deutschland für 49 Cent statt für 127 Cent (plus 42 Cent pro Verbindung) im A1-Netz.“ Die Stiftung Warentest rät Touristen jedoch zur Vorsicht: Manche Anbieter rechneten bei Tests im Ausland falsch ab oder die Karten funktionierten überhaupt nicht.

Darüber hinaus sollten sich die Verbraucher weiterer Probleme der Calling Cards bewusst sein: So wechseln häufig die Tarifsysteme und Guthaben sind nur begrenzt gültig. Bei Callback-Angeboten sitzt der Anbieter meist im Ausland. „Wenn es Probleme mit der Abrechnung gibt, kann der Kunde nur schwer dagegen vorgehen“, sagt Müller. Teilweise läuft der Gebührenzähler schon, sobald das Freizeichen ertönt. In Telefonzellen verlangt die Telekom vom Anbieter außerdem für die Wahl der 0800-Nummer zusätzliche Gebühren. Man sollte sich also vorher informieren, ob Zuschläge anfallen.

An der Qualität der Verbindungen hatten die Tester der Stiftung Warentest dagegen kaum etwas auszusetzen. „Aber vor allem im Ausland wurden manchmal Verbindungen unterbrochen“, sagt Anke Scheiber, Projektleiterin bei der Stiftung Warentest. Von zehn getesteten Anbietern erhielten trotzdem nur zwei die Note „Mangelhaft“.

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