Wirtschaft : Mobilcom-Aktionäre beschimpfen Schmid

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Unternehmensgründer/ Hauptversammlung lobt den neuen Vorstand

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Berlin/Hamburg (vis/dpa). Das hat es bei Mobilcom lange nicht gegeben: Auf der Hauptversammlung der Büdelsdorfer Telefongesellschaft in Hamburg lobten die Aktionäre die Arbeit des Vorstands. „Wir können Ihnen nur gratulieren“, sagte ein Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). „Positive Zahlen schon im ersten Quartal hätten wir nicht für möglich gehalten.“ Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) war allerdings etwas zurückhaltender und verwies auf die große Kapitalvernichtung durch den Erwerb der Lizenz für den neuen Mobilfunkstandard UMTS. Scharfe Kritik gab es dagegen an Gerhard Schmid, Gründer und ExVorstandschef des Unternehmens, der immer noch größter Einzelaktionär von Mobilcom ist.

Mobilcom stand im vergangenen Jahr kurz vor dem Aus. Die Investitionen in UMTS und der Streit mit dem Partner France Télécom über die Finanzierung von UMTS hatten das Unternehmen an den Rand der Insolvenz gebracht. Am Ende schaltete sich sogar die Bundesregierung ein, um wenigstens einen Teil der 5000 Arbeitsplätze zu retten. Inzwischen hat sich Mobilcom aus dem Geschäft mit der neuen Mobilfunktechnik vollständig zurückgezogen, die UMTS-Schulden hat France Télécom übernommen. Auch das Festnetzgeschäft hat Mobilcom verkauft, jetzt konzentriert sich das Unternehmen wieder auf das ursprüngliche Geschäft: den Vertrieb von Mobilfunkverträgen.

Erste Sanierungserfolge konnte Vorstandschef Thorsten Grenz bereits verkünden: Im ersten Quartal diesen Jahres hat das Unternehmen im operativen Geschäft wieder einen kleinen Gewinn erzielt. Vor Zinsen und Steuern lag das Ergebnis bei plus 0,1 Millionen Euro. Zuletzt hatte das Unternehmen 1999 Gewinn gemacht.

Für die Ertragswende zollten die Aktionäre dem Vorstand Lob und Anerkennung. Selbst Schmid gratulierte seinem Intimfeind Grenz zu dem kleinen Quartalsgewinn. „Das ist eine Punktlandung“, sagte er. Andere Aktionärsvertretern nannten die Ertragswende sensationell und ungewöhnlich. Für das Gesamtjahr 2003 bekräftigte Grenz seine Prognose, „zumindest ein ausgeglichenes operatives Ergebnis zu erreichen“.

In ihren Redebeiträgen warfen die Aktionäre dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Schmid in zahlreichen Redebeiträgen vor, er hintertreibe die Mobilcom-Sanierung durch Störmanöver und habe mehr als 70 Millionen Euro ohne Rechtsgrund aus dem Unternehmen entnommen. „Sie werden Ihrer gerechten Strafe nicht entgehen“, sagte ein Kleinaktionär zu Schmid. „Sie sind hier nicht mehr erwünscht.“

Schmid reagierte ungewohnt zurückhaltend auf die Attacken und rechnet offenbar selbst mit einem Strafverfahren gegen sich. „Im Moment befassen sich eine Menge kompetenter Leute mit meiner Person; Vorstand, Aufsichtsrat, Treuhänder, Staatsanwaltschaft und irgendwann einmal auch das Gericht“, sagte er. „Dann wollen wir mal sehen, was aus den ganzen Geschichten wird, die jetzt durch die Medien geistern.“ Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der Untreue, weil er als Vorstandschef ein umstrittenes Aktien-Optionsgeschäft mit der Firma Millenium zu verantworten hatte, die seiner Ehefrau Sybille Schmid-Sindram gehört. Millenium hatte dafür 70 Millionen Euro kassiert.

Schmid warf Grenz vor, er habe als damaliger Finanzvorstand von den Zahlungen gewusst und auch der Aufsichtsrat habe den Jahresabschluss gebilligt. Falls dieses Geschäft tatsächlich rechtswidrig gewesen sein sollte, hätten die Gremien nicht zustimmen dürfen. „Alles auf den Schmid zu schieben, das ist schäbig“, sagte Schmid in Richtung Grenz, der ihn im Juni 2002 abgelöst hatte.

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