Wirtschaft : Mobilcom-Chef Gerhard Schmid gefeuert

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Berlin (vis). Gerhard Schmid ist nicht mehr Vorstandschef von Mobilcom. Der Aufsichtsrat des Mobilfunkunternehmens berief den Firmengründer am Freitag ab. Schmid selbst war auf der Sitzung des Gremiums in Hamburg nicht einmal anwesend. Dafür aber sein Finanzchef Thorsten Grenz. Der 43-jährige Betriebswirt wurde vom Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung zum Vorstandschef des Unternehmens ernannt, teilte Mobilcom am Freitagabend mit. Damit hat Schmid den monatelangen Machtkampf mit dem Großaktionär France Télécom verloren. Ob und zu welchem Preis die Franzosen nun das Aktienpaket von Schmid und seiner Ehefrau übernehmen, war am Freitagabend noch nicht klar. Darüber müsse noch verhandelt werden, hieß es aus Paris.

Die Abberufung Schmids galt schon vor Beginn des Treffens als sicher. Schmid hatte bereits am Donnerstag begonnen, sein Büro zu räumen. Anlass für den Streit mit France Télécom, die bisher 28,5 Prozent der Anteile an Mobilcom hält, waren die unterschiedlichen Auffassungen über die Investitionen in die neue Mobilfunktechnik UMTS. Schmid wollte voll durchstarten, die Franzosen wollten wegen ihres Schuldenbergs von mehr als 60 Milliarden Euro lieber weniger Geld ausgeben. In der vergangenen Woche hatten die Franzosen den Kooperationsvertrag mit Mobilcom gekündigt, weil sie keine Chance auf eine Einigung sahen. Ohne die Unterstützung von France Télécom kann Mobilcom den Aufbau des neuen Netzes jedoch nicht finanzieren.

Am Donnerstag hatten sich die Franzosen mit einem Konsortium aus 17 Banken über die Umschuldung eines Ende Juli fälligen 4,7-Milliarden-Euro-Kredits für Mobilcom geeinigt. Ohne eine Anschlussfinanzierung für den Kredit droht Mobilcom das Aus. Doch der Vertrag ist noch nicht unterschireben. Die Bedingung der Franzosen: Schmid muss sich aus dem Unternehmen zurückziehen und seine Aktien verkaufen. Schmid und seine Frau halten gemeinsam 49,9 Prozent der Anteile an dem Mobilcom. Schmid hatte sich im März bereit erklärt, seine Aktien für 22 Euro pro Stück an die Franzosen zu verkaufen. Doch in den vergangenen Wochen ist der Kurs dramatisch eingebrochen.

Wieviel France Télécom Schmid für seine Aktien bietet, ist auch für die freien Aktionäre interessant. Gesetzlich ist ein Pflichtangebot an die freien Aktionäre vorgesehen, wenn ein Aktionär die Kontrollschwelle von 30 Prozent erreicht oder überschreitet. Das Angebot muss mindestens die Höhe des gewichteten Durchschnittskurses der letzten 90 Tage erreichen. Im Moment wären das knapp 14 Euro. Zuletzt hatte Schmid noch 17 bis 18 Euro gefordert.

Der Kurs der Mobilcom-Aktie hat am Freitag kräftig zugelegt. Das Papier stieg um 10,16 Prozent auf 10,08 Euro.

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