Wirtschaft : Mobilcom: Der Konzern macht erstmals Verlust

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Das aggressive Werben neuer Kunden und die hohen Folgekosten für die UMTS-Mobilfunklizenzen haben der Büdelsdorfer Telefongesellschaft Mobilcom AG erstmals rote Zahlen beschert. 555 Millionen Mark habe Mobilcom in den ersten neun Monaten des Jahres aufgewendet, um neue Kunden zu gewinnen, sagte Mobilcom-Chef Gerhard Schmid bei der Vorlage des Neunmonatsberichts. Die Akquisition eines neuen Kunden habe Mobilcom im Schnitt 217 Mark gekostet. Schmid verteidigte die hohen Ausgaben als notwendige Investitionen in das Wachstum vor allem im Bereich Mobilfunk. Die Kunden bildeten die Basis für einen erfolgreichen und schnellen Start ins künftige UMTS-Geschäft. Insgesamt habe Mobilcom bis Ende September 5,6 Millionen Kunden gewinnen können (plus 69 Prozent seit Jahresbeginn), davon 3,3 Millionen Mobilfunkkunden (plus 79 Prozent). "Mobilcom wächst weiterhin deutlich schneller als der Markt."

Der Fehlbetrag habe in den ersten neun Monaten bei 265,4 Millionen Mark gelegen, sagte der Vorstandschef. Auch im vierten Quartal rechnet Schmid mit einem Verlust. Das operative Kundengeschäft wies nach neun Monaten einen Gewinn von 160 Millionen Mark aus. Der Umsatz lag Ende September bei 3,25 Milliarden Mark (plus 58 Prozent gegenüber dem 2. Quartal) nach 575 Millionen Mark im Vorjahr.

Die Aufwendungen für den Zukunftsmarkt UMTS - Zinsen, Bankgebühren, Personal- und Sachkosten - lagen in den ersten neun Monaten bei 227 Millionen Mark. Erlöse fließen aber erst ab dem Netzstart im Jahr 2002. Mobilcom hatte im Sommer gemeinsam mit France Télécom eine UMTS-Lizenz für 16,4 Milliarden Mark ersteigert. 2007, im fünften Jahr nach dem UMTS-Start, sollen wieder Gewinne geschrieben werden. Im Oktober schloss Mobilcom einen Vertrag mit Ericsson über die Lieferung von Netzinfrastruktur für 1,6 Milliarden Mark.

Der Aktienkurs des am Neuen Markt notierten Unternehmens verzeichnete am Vormittag starke Schwankungen. Schmid zeigte darüber zunächst keine Nervösität: "Kursschwankungen von acht bis zehn Prozent sind ein normales Verhalten am Neuen Markt." Allerdings sackte das Papier bis zum Nachmittag um 18,5 Prozent ab.

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