Wirtschaft : Mobilcom geht das Geld aus

Mitarbeiter fordern Großaktionär Gerhard Schmid zum Einlenken auf

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Berlin (vis). Die Zukunft von Mobilcom bleibt weiter ungewiss. Am Mittwoch gab es immer noch keine Einigung zwischen Unternehmensgründer und Hauptaktionär Gerhard Schmid und dem Bundeswirtschaftsministerium über die Details eines Treuhandvertrags. „Es gibt nur noch einen Punkt, über den noch keine Einigung herrscht“, sagte eine Sprecherin Schmids dem Tagesspiegel. Gestritten wird demnach über die Person des Treuhänders. Die Verhandlungen seien am Abend unterbrochen und auf diesen Donnerstag vertagt worden, sagte die Sprecherin. Zuvor hatten MobilcomMitarbeiter Schmid in Protestaktionen aufgerufen: „Herr Schmid, unterschreiben Sie!“ Betriebsratssprecher Thomas Schrader sagte: „Herr Schmid pokert hoch und setzt dabei das ganze Unternehmen aufs Spiel.“

Die Bundesregierung betrachtet die Übertragung des 50-prozentigen Mobilcom-Aktienpakets von Schmid an einen Treuhänder als einen wichtigen Bestandteil des Rettungspaketes für Mobilcom. Die Bundesregierung hatte den Düsseldorfer Rechtsanwalt Reinhard von Dalwigk als Treuhänder vorgeschlagen, Schmid wollte den Präsidenten des Branchenverbandes VATM, Joachim Dreyer. Das Wirtschaftsministerium habe nun eine Doppelbesetzung des Treuhänders als Kompromiss vorgeschlagen, sagte Schmids Sprecherin. „Das wird Herr Schmid nicht akzeptieren. Diese Verantwortung ist nicht teilbar.“ Das Ministerium wollte sich zum Stand der Verhandlungen zunächst nicht äußern.

Liquidität wird knapp

Unterdessen machte Mobilcom zum ersten Mal seit langem wieder eine Aussage zur finanziellen Situation des Unternehmens. Aus Aufsichtsratskreisen hatte es zuvor geheißen, wenn bis zu diesem Mittwoch kein frisches Geld fließe, dann müsse das Unternehmen noch am gleichen Tag Insolvenz anmelden. „Heute müssen wir nicht Insolvenz anmelden“, sagte ein Mobilcom-Sprecher am Mittwoch. „Wir haben noch etwas Luft. Die reicht aber eher noch für ein paar Tage als für Wochen.“

Mobilcom braucht dringend Geld, um die Liquidität des Unternehmens zu sichern und den Sanierungsplan umzusetzen. Die Einigung mit Schmid ist zum einen die Basis dafür, dass weitere 100 Millionen Euro aus dem im September beschlossenen Rettungspaket des Wirtschaftsministeriums an Mobilcom fließen. Zum anderen sind auch die kreditgebenden Banken und der ehemalige Partner France Télécom sonst nicht bereit, eine Lösung für einen am 15. November fälligen Mobilcom-Kredit über 4,7 Milliarden Euro zu finden. Die Banken und vor allem France Télécom wollen nicht, dass Schmid weiterhin Einfluss auf das Unternehmen nimmt.

Sollten sich Schmid und das Ministerium einigen, hat Mobilcom zwar eine neue Basis, trotzdem steht ein harte Sanierung bevor. Das Unternehmen habe aber noch eine realistische Chance, im Kerngeschäft – der Vermarktung von Mobilfunkverträgen – im ersten Halbjahr 2003 wieder schwarze Zahlen zu schreiben, sagte ein Mobilcom-Sprecher.

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