Wirtschaft : Mobilcom gewinnt nicht genug neue Kunden

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Die am Neuen Markt notierte Mobilcom AG bekommt den Gegenwind im Mobilfunkgeschäft immer kräftiger zu spüren. Der Büdelsdorfer Telekommunikationskonzern gewann im 3. Quartal nur 50 000 neue Handynutzer. Im Vorquartal waren es hingegen noch 390 000 Kunden. Christoph Vogt, Wertpapierspezialist bei der Hamburger Privatbank M.M.Warburg, war von mindestens 100 000 Neukunden ausgegangen. Werner Stäblein von der Frankfurter BHF-Bank rechnete sogar mit 150 000. Er stufte die Mobilcom-Aktie deshalb weiter auf "Verkaufen" ein. Der Aktienkurs sank daraufhin zeitweise um fast vier Prozent.

Auch im 4. Quartal dürfte Mobilcom seinen gegenwärtigen Trend in der Mobilfunksparte nicht umkehren. Denn die Akquisition von Neukunden werde auf dem Niveau des vorangegangenen Quartals verharren. Dies ließ Mobilcom-Finanzvorstand Thorsten Grenz auf einer Analysten-Telefonkonferenz durchblicken. Als Gründe für den rückläufigen Kundenzuwachs nannte ein Mobilcom-Sprecher das gedrosselte Marktwachstum sowie die gekürzten Handy-Subventionen. "Wir wollen nicht um jeden Preis wachsen, sondern unser Geschäft auf Profitabilität ausrichten", so der Firmensprecher.

Das Unternehmen halte deshalb weiterhin daran fest, im 4. Quartal ein positives Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) im Stammgeschäft zu erzielen. Dazu zählen Mobilfunk, Festnetz, Internet und sonstige Dienste. Im 3. Quartal kletterte das Ebitda-Ergebnis ohne Anlaufkosten für den neuen Mobilfunkstandard UMTS auf 6,81 (4,7) Millionen Euro. Dennoch räumte der Sprecher ein, dass im gesamten Geschäftsjahr 2001 wohl "kein positives Ebitda-Ergebnis im Stammgeschäft" erzielt werde. Das Ebitda-Ergebnis inklusive der UMTS-Kosten wurde für das 3. Quartal mit minus 6,83 Millionen Euro angegeben, während es im Vorquartal bei 3,66 Millionen Euro lag. Gründe hierfür seien die verstärkten Ausgaben für den UMTS-Netzaufbau sowie der höhere Personalaufwand für IT-Fachpersonal. In den ersten neun Monaten 2001 erzielte Mobilcom bei einem Umsatz von 2,01 Milliarden Euro ein Ebitda von minus 37,96 Millionen Euro.

Nur geringe Auswirkungen auf das Konzernergebnis in 2001 wird der Aufbau der Mobilbank haben, deren Start vom Herbst dieses Jahres auf Anfang 2002 verschoben wurde. "Die Anlaufverluste bewegen sich im einstelligen Millionen-Euro-Bereich", erklärte ein Firmensprecher.

Keine Bewegung ist auch in der ursprünglich bereits für Anfang dieses Jahres beabsichtigten Übernahme des Konkurrenten Hutchison Telekom GmbH in Münster gekommen. Es werde weiterhin an einem Konzept gearbeitet, um die Tochter der britischen Orange plc. zu übernehmen. Die France-Telecom-Mobilfunktochter Orange ist außerdem mit 28 Prozent an Mobilcom beteiligt. Mobilcom wolle für Hutchison nicht die Verschuldung erhöhen oder seine bisherige Anteilsstruktur durch die Ausgabe neuer Aktien verwässern, so der Mobilcom-Sprecher.

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