Wirtschaft : Mobilcom kostet Jobs – so oder so

NAME

Eines muss man Gerhard Schröder lassen: Er hat aus seinen Fehlern gelernt. Zumindest hat er dieses Mal das richtige politische Timing gewählt. In der vergangenen Woche, wenige Tage vor den Bundestagswahlen, verkündete Schröder, er werde das Mobilfunkunternehmen Mobilcom und damit mehr als 5000 Arbeitsplätze retten. Bis zum gestrigen Sonntag bestand wenig Gefahr, dass die Rettungsaktion scheitern würde – wie das beim Baukonzern Holzmann in diesem Frühjahr geschah. Der Bauriese musste Insolvenz anmelden, obwohl ihn die Bundesregierung vor zwei Jahren erst einmal vor der Pleite bewahrt hatte. Innerhalb weniger Tage aber, und das weiß Schröder, kann die EU-Kommission in Brüssel nicht prüfen, ob das von der Bundesregierung zugesagte Darlehen von 400 Millionen Euro an Mobilcom zulässig ist. Es gibt einen guten Grund, warum sich private Kreditgeber und Investoren bei Mobilcom zurückhalten. Die langfristige Überlebensfähigkeit des Mobilfunkunternehmens ist fraglich. Aus diesem Grund müsste Brüssel die deutsche Hilfe untersagen. Aber Experten räumen Mobilcom dennoch gute Chancen ein, ungeschoren davonzukommen. Die Kommission werde ungern einen Rechtsstreit in einem so politisch sensiblen Bereich anstrengen, meinen sie. Das wäre fatal. Die Zahl von Mobilfunkunternehmen mit deutscher UMTS-Lizenz hat sich in diesem Jahr bereits von sechs auf fünf reduziert, nachdem Quam und ihre Anteilseigner Telefonica und Sonera ihre UMTS-Pläne auf Eis gelegt haben. Die verbliebenen vier Konkurrenten von Mobilcom lecken sich bereits die Finger nach den Mobilcom-Kunden. Sie werden starken Widerstand leisten, sollte die EU-Kommission grünes Licht geben – und Mobilcom dank der Hilfe des deutschen Staates in einem gesättigten und umkämpften Markt wieder einen Fuß auf den Boden bekommen. Anders ausgedrückt: Die 5500 von Schröder „geretteten“ Arbeitsplätze werden wahrscheinlich irgendwo anders wegfallen, wenn Mobilcom überlebt. Der Grund: Mobilcoms Konkurrenten werden zu Einsparungen gezwungen sein, um dem wiederauferstandenen, staatlich unterstützten Konkurrenten standhalten zu können. Man darf getrost annehmen, dass der jüngste Ausflug Schröders in das Land der Unternehmensrettung einzig und allein ihm selbst dient.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben