• mobile.de-Chef Malte Krüger im Interview: "Jeder Zweite fährt ein Auto, das nicht zu seinem Leben passt"

mobile.de-Chef Malte Krüger im Interview : "Jeder Zweite fährt ein Auto, das nicht zu seinem Leben passt"

Vor 20 Jahren wurde die Online-Plattform mobile.de gegründet. Heute werden hier 1,4 Millionen Fahrzeuge gehandelt. Malte Krüger, Chef des größten deutschen Online-Autohändlers, über Preise, Wachstum und den Diesel.

von
Hartes Geschäft. Immer mehr Autohäuser mussten in den vergangenen Jahren aufgeben. Ein Grund: die wachsende Konkurrenz im Internet.
Hartes Geschäft. Immer mehr Autohäuser mussten in den vergangenen Jahren aufgeben. Ein Grund: die wachsende Konkurrenz im...Foto: ZB

Alle neun Sekunden wird über die Internet-Plattform mobile.de ein Fahrzeug verkauft. Der größte deutsche Auto-Onlinehändler wurde vor 20 Jahren gegründet. Mehr als 40.000 Händler nutzen mobile.de, rund 1,4 Millionen neue und gebrauchte Pkw, Nutzfahrzeuge und Motorräder werden über die Plattform gehandelt. Seit 2004 gehört mobile.de zum Internet-Auktionshaus ebay. Für den traditionellen Autohandel ist der Internet-Vertrieb Chance und Risiko zugleich. Die Zahl der selbstständigen Autohäuser ist seit 2015 um 400 auf 7400 gesunken, wie es in einer Studie des Nürtinger Instituts für Automobilwirtschaft heißt. Im Jahr 2000 waren es mit 18.000 noch mehr als doppelt so viele. Kaum ein Autokäufer, der nicht vor dem Autokauf einen Blick ins Netz wirft, um Preise und Konditionen zu vergleichen. Doch auch die Online-Börsen müssen sich anpassen - die Ansprüche der Nutzer wachsen. Wir sprachen mit mobile.de-Chef Malte Krüger anlässlich des 20-jährigen Firmenjubiläums über das Thema.

Herr Krüger, mobile.de kündigt "mehr Transparenz zu Fahrzeugen und Preisen“ in den kommenden Monaten an - was ist damit gemeint? 

Kunden erwarten heutzutage mehr Transparenz denn je – egal ob bei der Reisebuchung oder der Restaurantauswahl. Gleiches gilt für den Autokauf. Im ersten Schritt haben wir daher im Februar Händlerbewertungen eingeführt. Mittlerweile sind bereits rund 150.000 Bewertungen online. Als nächstes beschäftigen wir uns damit, wie wir mehr Transparenz zu Fahrzeugen und Preisen anbieten können. Mit Blick auf Fahrzeuge werden wir auf die Autodatenbank von Motor-Talk setzen, die Carfacto heißt. Zudem haben wir gerade begonnen, auf den Seiten in Polen, Tschechien und Frankreich Preisbewertungen zu testen.

 

Ist auf dem deutschen Markt, der als gesättigt gilt, denn noch Wachstum möglich? 

2015 war ein sehr erfolgreiches Jahr. Wir haben für den Handel 14 Prozent mehr Nachfrage generieret als im Vorjahr. Auch der Werbemarkt geht immer mehr Online, wovon wir als Marktführer mit einer enormen Reichweite extrem profitieren. Trotzdem ist der Markt noch längst nicht gesättigt. Eine Studie von mobile.de ergab, dass jeder zweite Deutsche ein Auto fährt, das nicht zu seinem Leben passt. Und jeder Dritte wäre bereit das Fahrzeug zu wechseln, wenn der Autokauf einfacher wäre. Daran werden wir intensiv und gemeinsam mit dem Handel arbeiten. Es gibt noch viel Geschäftspotenzial. 

 

Die Zahl der selbstständigen Autohäuser ist seit 2015 um 400 gesunken. Ist der Online-Handel dafür mitverantwortlich? 

Wir haben den Autohandel in den vergangenen 20 Jahren revolutioniert. Wir sind vom Start-up zum wichtigsten Nachfragetreiber der Branche geworden. In dieser Zeit hat der Handel verschiedene Entwicklungen durchlaufen. In den vergangenen sechs Monaten sind wir um ca. 1500 Händlerstandorte über alle Größenklassen gewachsen. Es werden auch immer mehr Neu- und Gebrauchtfahrzeuge bei uns gelistet. Eine Konsolidierung des Handels hat aus unserer Sicht in erster Linie zur Folge, dass kleinere Autohäuser sich mit anderen zusammenschließen. Dabei gilt erst recht: Digitale Differenzierung ist wichtiger als Investitionen in Glaspaläste!  

 

Wie hat sich der Diesel-Abgasskandal auf den Verkauf von älteren (und neuen) Diesel-Fahrzeugen ausgewirkt? 

Die Diesel-Thematik hat unterschiedliche Auswirkungen auf den Markt. So ist die Nachfrage nach Benzinern seit September 2015 um rund 10 Prozent gestiegen, während die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen um 10 Prozent gesunken ist.  Bei gebrauchten VW-Dieselmodellen beobachten wir anhand unserer Marktdaten derzeit einen Preisanstieg. Seit September 2015 ist der Durchschnittspreis um 1,1 Prozent gestiegen. Der Preis für Dieselmodelle insgesamt ist seither um 2,7 Prozent gestiegen.

 

 

7 Kommentare

Neuester Kommentar