Wirtschaft : Mobiles Telefonieren wird billiger

BONN (dpa/rtr).Die Telekom will in ihrem D1-Netz als erster Mobilfunkbetreiber Deutschlands ortsabhängige Tarife einführen und das Handy damit endgültig zum Massenartikel machen.Ab 31.August können D1-Kunden bis zu zwei Drittel des jetzigen Preises bei allen Inlandsgesprächen sparen, die sie mit ihrem Handy zu Anschlüssen in einen festgelegten Ortsbereich des Festnetzes führen.Telekom-Konkurrent Mannesmann erklärte, auf den Preiskampf werde man mit einem "attraktiven Angebot" reagieren.

Mit der Preissenkung werde das drahtlose Telefonieren für ganz neue Bevölkerungsschichten interessant, sagte der Chef der für dieses Geschäft zuständigen Telekom-Tochter T-Mobil, Kai-Uwe Ricke, am Montag in Bonn.So kostet das dreiminütige Telefonat eines Familienvaters nach Hause im neuen Privattarif "Telly local" dann statt 5,67 DM nur noch 2,04 DM.Das entspricht einer Ersparnis von 64 Prozent.

T-Mobil läutete damit innerhalb nur weniger Monate eine neue Preisrunde auf dem heiß umkämpften Mobilfunkmarkt ein.Ricke sieht in dem T-Mobil-Angebot einen wesentlichen Schritt, um die vor rund zwei Jahren verlorene Marktführerschaft im digitalen Mobilfunk von Mannesmann zurückzuerobern.Bis wann T-Mobil die Spitzenposition wiedererlangt haben will, ließ Ricke offen.Mit der aktuellen Tarifstruktur werde das Handy nun auch für Leute interessant, bei denen die meisten Anrufe auf ein regional begrenztes Gebiet entfielen.

In diesem Jahr konnte die Telekom-Tochter für ihr Netz nach eigenen Angaben etwa 875 000 neue Kunden gewinnen.Mit 4,15 Millionen Teilnehmern liegt D1 aber weiterhin um etwa 450 000 hinter dem Branchenprimus D2 zurück."Mit der Einführung der Ortsgespräche für das Handy werden wir nicht nur den Mobilfunkmarkt zum Massenmarkt machen, sondern gleichzeitig unsere Marktposition ausbauen und einen wesentlichen Schritt zurück zur Marktführerschaft tun", sagte Ricke.Das Wachstumstempo auf dem Mobilfunkmarkt sei atemberaubend.

Wie T-Mobil-Vertriebschef René Obermann sagte, koste das mobile Telefonieren in ein vorher festgelegtes Ortsnetz bei D1 künftig in der Hauptzeit in jedem Fall nur noch 68 Pfennige je Minute.Anders als bei Gesprächen innerhalb des Festnetzes ist es dabei egal, ob sich der Anrufer selbst im jeweiligen Ortsnetz befindet.Bislang müssen Teilnehmer im D1-Netz für Gespräche zu festen Anschlüssen - je nach gewählter Vertragsart - Gebühren bis zu 1,89 DM bezahlen.In den Abendstunden, nachts und am gesamten Wochenende berechnet T-Mobil für alle D1-Telefonate einen Minutenpreis von 39 Pfennigen.

Von der Einführung ortsabhängiger Tarife profitieren allerdings nur die Handy-Besitzer selbst.Anrufe in umgekehrter Richtung - also vom Festnetz zu einem Teilnehmer des D1-Mobilfunknetzes - bleiben mit 91 Pfennigen je Minute in der Hauptzeit weiter verhältnismäßig teuer.

Wer als neuer Kunde zu D1 kommt, legt das von ihm bevorzugte Ortsnetz bei Vertragsabschluß mit der Angabe einer vierstelligen Vorwahl - etwa 0228 für Bonn - fest.Altkunden können eine entsprechende Umstellung ihres Anschlusses ebenfalls kostenlos veranlassen, müssen dafür aber die Laufzeit ihres Vertrages zunächst neu auf mindestens 24 Monate verlängern.Jede weitere Änderung der preisbegünstigten Ortsvorwahl kostet 11,50 DM.Bei kleineren Ortsnetzen, deren Vorwahl mehr als vier Ziffern hat, sind nur die ersten vier Zahlen maßgebend.Das heißt: Alle Ortnetze, die mit diesen Zahlen beginnen, können dann zum günstigen Tarif angerufen werden.

Insgesamt gibt es bei D1 künftig nur noch drei Tarife mit den Namen "Telly local" "Telly local plus" und "ProTel plus" und einer Grundgebühr von 29,95 DM, 49,95 DM und 69,95 DM.Damit wolle man für die Kunden mehr Transparenz schaffen, sagte T-Mobil-Geschäftsführer Ricke.Er ging davon aus, daß mit den neuen Preisen die Provisionen für sogenannte Service-Provider beim Vertrieb von Mobilfunk-Anschlüssen sinken würden.Damit schrumpfe auch der Spielraum bei den Subventionen für Handys.Diese sind derzeit in der Regel zu einem Bruchteil des eigentlichen Wertes zu bekommen, wenn mit ihrem Kauf gleichzeitig der Kartenvertrag für eines der bislang drei Mobilfunknetze abgeschlossen wird.

Telekom-Konkurrent Mannesmann Mobilfunk kündigte unmittelbar nach Veröffentlichung der neuen D1-Tarife an, daß er den Kunden seines D2-Netzes in Kürze ebenfalls ein "vergleichbar attraktives Angebot" machen werde.Eine Unternehmenssprecherin sagte, im ersten Halbjahr habe man die Kundenzahl für das D2-Netz um eine Million auf 4,5 Millionen erhöhen können.Das neue Tarifangebot des Konkurrenten T-Mobil nehme man gelassen auf, sagte die Sprecherin.Der Preiskampf sei aber damit erneut verschärft worden.

Der Mobilfunkanbieter E-Plus sagte zum Vorstoß der Telekom-Tochter, kurzfristig bestehe kein Handlungsbedarf.Man werde aber die Wettbewerbssituation sehr intensiv prüfen.E-Plus habe in der ersten Hälfte dieses Jahres die Kundenzahl um netto 450 000 erhöht.Damit sei die Teilnehmerzahl auf 1,45 Millionen ausgeweitet worden, sagte am Montag ein Sprecher der E-Plus Mobilfunk GmbH in Düsseldorf.Das seit Anfang April geltende Tarifsystem sei transparent und biete ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis.An E-Plus sind die Konzerne RWE und Veba sowie die britische Vodafone beteiligt.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben