Wirtschaft : Mobilfunk-Anbieter wittern in Deutschland glänzende Geschäfte - das Handy soll Massengut werden

Wolfgang Gillmann

Der Markt für Mobilfunktelefone boomt noch immer und ist deshalb für die Anbieter so attraktiv. Obwohl in Deutschland bereits rund 22 Prozent der Bevölkerung ein Handy haben, sehen die Netzbetreiber noch kein Ende des Wachstums in Deutschland. Die Anbieter erwarten, dass das Yuppie-Image des Handys bald beendet sein und es ein zugkräftiges Konsumgut für die Massen werden wird.

Bisher haben die Anbieter vorwiegend die Geschäftskunden bedient; dieses Segment ist fast gesättigt. Jetzt umwerben die Gesellschaften die Privatkunden, die mit billigen Tarifen gelockt werden. Zudem steht der Mobilfunkmarkt vor dem Eintritt in den zukunftsträchtigen Datenverkehr. War die Übertragungsrate bisher sehr begrenzt, so werden Systeme, die an das Internet angebunden sind, bald Übertragungsraten wie im Festnetz ermöglichen. Diese Systeme stehen kurz vor der Markteinführung. Mobilfunk und Internet werden dann miteinander verschmelzen und einen neuen Massenmarkt eröffnen, der für private Nutzer wie für Geschäftskunden attraktiv sein wird. Bisher liefern sich in Deutschland Mannesmann Mobil (D 2) und T-Mobil (D 1) ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Spitzenplätze. E-Plus, erst später gestartet, folgt mit großem Abstand auf Platz drei.

Der Start des Düsseldorfer Unternehmens lief zunächst nicht wie geplant: Wegen des starken Preisverfalls ließen sich die schwarzen Zahlen schwieriger als zunächst gedacht erreichen. Uneinigkeiten zwischen den Gesellschaftern verzögerten die nötigen massiven Investitionen in das Netz und die Technik. Deshalb zeigte sich E-Plus-Geschäftsführer Klaus Thiemann auch sehr zufrieden mit dem Verkauf der Gesellschaft an France Télécom. Er sieht in der Klärung der Gesellschafterverhältnisse eine Stärkung der Position im Markt und einen Vertrauensbeweis für E-Plus. "Wir bekommen Zugang zu den Forschungs- und Entwicklungsressourcen von France Télécom und werden davon profitieren", sagte Thiemann dem Handelsblatt. Thiemann erwartet, dass mit dem zweiten Gesellschafter Bell South bald eine Einigung über deren Vorkaufsrecht erzielt wird. Noch ist offen, ob die Amerikaner ihr Recht ausüben werden. Sie haben noch etwa sechs Wochen Zeit, um sich zu entscheiden.

Die Deutsche Telekom hat den Einstieg von France Télécom als "eine Art Befreiung" bezeichnet. "Jetzt kann jeder von uns im freien Wettbewerb seinen eigenen Weg gehen", sagte der Vertriebs-Vorstand der Deutschen Telekom, Josef Brauner. Dagegen erwartet der Konkurrent Viag Interkom einen verschärften Preiswettbewerb. Vorstand Maximilian Ardelt sagte, angesichts des verschärften Wettbewerbs sei es nicht auszuschließen, dass France Télécom an der Preisschraube drehen werde, um der Deutschen Telekom Marktanteile abzujagen.

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