Wirtschaft : Mobilfunk-Auktion: UMTS-Gebote über zwölf Milliarden Mark

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Langsam aber stetig steigen die Gebote bei der Auktion der UMTS-Lizenzen in Mainz. Nach 66 Runden erreichten die Höchstgebote einen Wert von 12,34 Milliarden Mark. Wieder preschte Mobilcom voran und setzte ein deutliches Signal, indem es die eigenen Höchstgebote um mehr als zehn Prozent überbot. Das Team Mobilcom / France Télécom ging damit mit dem Höchstgebot von 3,56 Milliarden Mark für drei Frequenzblöcke als Spitzenreiter aus der ersten Versteigerungswoche. Die anderen Bieter blieben im Poker um die Lizenzen für den Mobilfunkstandard der dritten Generation bei ihrer Strategie der kleinen Schritte: Sie bieten nur das, was sie unbedingt müssen, um im Rennen zu bleiben.

Auch am sechsten Tag der Versteigerung, die am vergangenem Montag in der Dienststelle der Regulierungsbehörde in Mainz begann, hat sich das Bild kaum verändert. Noch bieten alle sieben Bewerber mit, und offenbar bieten auch alle noch für je drei Frequenzblöcke. Wer eine UMTS-Lizenz erwerben will, muss mindestens zwei, darf aber höchstens drei Frequenzpakete ersteigern. Zwölf Frequenzblöcke sind im Angebot, so dass am Ende vier bis sechs Lizenzen vergeben werden - je nachdem, wie die einzelnen Bewerber bieten. "Von der Strategie der Bieter ist im Moment noch nicht viel zu sehen", sagt Ralf Hallmann, Telekom-Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. "Die etablierten Anbieter sitzen da, erfahren die Höchstgebote und drücken die Mindestzulage." Etwas anderes sei auch nicht zu erwarten gewesen, sagt Frank Wellendorf von WestLB Panmure. "Das ist das Normalste von der Welt, jedes andere Verhalten wäre irrational." Dem Versuch, aus dem Bieterverhalten Strategien zu entziffern, erteilt er eine Absage: "Das hieße, etwas herauszulesen, wo es nichts herauszulesen gibt."

Einzig aus dem Bieterverhalten von Mobilcom ziehen die Analysten ihre Schlüsse: "Mobilcom hat deutlich signalisiert, nur zwei Blöcke ersteigern und dafür aber einen hohen Preis zahlen zu wollen", sagt Hallmann. Die Firma habe mit ihren Höchstgeboten auf jeden Fall einen Marketingerfolg erzielt. Stephen Pentland, Partner von Spectrum Strategy Consultants, der die Auktionen in Großbritannien und den Niederlanden beobachtet hat, warnt aber: "Das könnte ein falsches Signal sein." Um ein leistungsfähiges Netz aufzubauen, bräuchten Mobilcom und France Télécom drei Frequenzblöcke.

Strategisch interessant wird die Auktion wohl erst, wenn die ersten Bieter aussteigen. Als schwächste Kandidaten gelten bei vielen Analysten das Bündnis 3G (Telefónica / Sonera) und Debitel / Swisscom. Wellendorf erwartet, dass bei einem Niveau von 5,8 bis 6,7 Milliarden Euro für eine kleine Lizenz (zwei Blöcke) nur noch fünf Kandidaten im Rennen sein werden. Und dann werde es kein Weiterbieten mehr geben, sagt Wellendorf. "Weil die anderen erkennen, dass es für alle teurer wird, ohne dass sich am Ergebnis etwas ändert."

Auch Hallmann hält folgendes Szenario für das wahrscheinlichste: Die Netzbetreiber Telekom (D1) und Mannesmann (D2) ersteigern je eine große Lizenz (drei Frequenzblöcke), E-Plus / Hutchison, Viag Interkom / British Telecom und Mobilcom / France Télécom je eine kleine Lizenz. Was die Lizenzen kosten werden, hängt dann davon ab, wie hoch die Zahlungsbereitschaft derer ist, die als erstes aussteigen. "Debitel und Telefónica werden bis an ihre Grenzen gehen", sagt Wellendorf. "Wenn sie keinen Erfolg haben, so werden sie doch versuchen, die anderen Unternehmen zu schwächen."

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