Mobilfunk : Brandenburg kommt schneller ins Netz

Die Telekom nimmt in Kyritz die erste Mobilfunkstation mit neuer LTE-Technik in Betrieb. Die LTE-Anschlüsse sollen in etwa so viel kosten wie ein DSL-Anschluss.

von
Telekom-Chef René Obermann war am Montag in Kyritz, um die erste LTE-Basisstation in Betrieb zu nehmen. Der Sendemast ist 90 Meter hoch.
Telekom-Chef René Obermann war am Montag in Kyritz, um die erste LTE-Basisstation in Betrieb zu nehmen. Der Sendemast ist 90 Meter...Foto: dpa

Kyritz - An diesem verregneten Montag schreibt Kyritz Mobilfunkgeschichte. Um 12.25 Uhr geht in dem brandenburgischen Städtchen nordwestlich von Berlin die erste LTE-Mobilfunkstation in Deutschland ans Netz. „Jetzt läuft es ja“, sagt Landrat Ralf Reinhardt erleichtert. Die Technik, die eine wesentlich schnellere Datenübertragung als bisherige Mobilfunktechnik ermöglicht, soll den Menschen in ländlichen Regionen in ganz Deutschland endlich einen schnellen Anschluss ans Internet bringen. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass die weißen Flecken auf der Deutschlandkarte, die keine Breitbandversorgung haben, möglichst bald verschwinden sollen.

Zwar ist die Stadt Kyritz selbst ans Glasfasernetz der Telekom angeschlossen. „Aber diese Technik wird nie in die Ortsteile kommen, die nur 70 Einwohner haben“, sagt Bürgermeister Hans-Joachim Winter. Geschweige denn in die umliegenden Dörfer. „Es ist einfach viel zu teuer, die Leitungen bis dorthin zu verlegen.“ Darum hat der Bürgermeister eng mit der Telekom zusammengearbeitet und Genehmigungsverfahren beschleunigt. Jetzt sind es 1000 Haushalte in Orten wie Gumtow oder Schönermark in der Prignitz, die zu den ersten gehören werden, die einen Internetanschluss so schnell wie DSL über Mobilfunk erhalten. Ende des Jahres will die Telekom mit der Vermarktung beginnen. Auch Vodafone und O2 haben im Mai Lizenzen für LTE ersteigert, aber noch keine Stationen am Netz.

90 Meter hoch ragt der Sendeturm der Telekom in den Himmel. Von Weitem scheint es, als sei er höher als die Türme der Marienkirche im Zentrum von Kyritz. Weil die Breitbandversorgung eine hochpolitische Angelegenheit ist, sind neben Landrat und Bürgermeister auch Brandenburgs Staatssekretärin Tina Fischer und Telekom-Chef René Obermann zur Vermittlungsstation nach Kyritz gereist. Beide stecken je ein magentafarbenes Kabel in einen Rechner, ein grünes Lämpchen blinkt – die erste LTE-Basisstation ist am Netz.

„Das ist ein Quantensprung für die Region“, sagt die Staatssekretärin. Das Internet sei eine Lebensader der Gesellschaft. An der hängen nun bald auch die Bewohner der Prignitz. In diesem Jahr will die Telekom insgesamt 500 Standorte in Deutschland über Funk mit schnellem Internet versorgen, 35 davon in Brandenburg, kündigt Obermann an. Die LTE-Anschlüsse sollen in etwa so viel kosten wie ein DSL-Anschluss. Die Lizenzauflagen sehen vor, dass bis zum Jahr 2016 das LTE-Netz 90 Prozent aller Haushalte in Deutschland abdeckt. „Dieses Ziel werden wir übertreffen“, sagt Obermann.

Die Staatssekretärin freut sich, dass Firmen, die einen leistungsfähigen Internetzugang brauchen, sich nun auch in der Prignitz ansiedeln können. „Für viele ist der Breitbandanschluss wichtiger als die Autobahn“, sagt sie. Landrat Reinhardt findet es zudem wichtig, dass die Kinder der Region durch den Netzzugang nun in der Bildungsgesellschaft mithalten können. Bürgermeister Winter hat schon ein konkretes Projekt im Auge, das ohne LTE nicht funktionieren würde: Er will die medizinische Versorgung verbessern. Statt Patienten weite Wege zum Arzt fahren zu lassen, sollen künftig Krankenschwestern die Patienten zu Hause versorgen. Über LTE sind sie dabei direkt mit dem Arzt verbunden und können mit ihm medizinische Daten austauschen. 30 000 Menschen, sagt Bürgermeister Winter, wohnen im Einzugsgebiet von Kyritz. Die Fläche, die die neue LTE-Funkzelle abdeckt, sei dabei in etwa so groß wie die Fläche Berlins.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben