Wirtschaft : Mobilfunk: Doppelter Umsatz

Rainer Bücken

Lothar Pauly hat sich schon auf das UMTS-Zeitalter eingestellt. Als Bereichsvorstand der Siemens AG muss er offensichtlich voran gehen. "Ich kann mir vorstellen, am Wochenende zur Mittags- und Abendzeit für die Kids eine McDonald-Reklame aufs Handy gespielt zu bekommen, die mir auch den Weg zum nächsten Restaurant sowie Sonderaktionen mitteilt, sofern ich nur zwei Kilometer von so einem Store entfernt bin." Die Diensteanbieter nennen so etwas LBS und meinen damit nicht die gleichnamige Bausparkasse, sondern das Kürzel für Location-Based Services. Bei der neuen Handy-Generation soll das einer der neuen Dienste sein, mit denen der Umstieg von GSM nach UMTS forciert werden könnte.

Vermutlich noch größeres Interesse verspricht der schnelle Zugang zum Internet und den vielen lokalen Netzwerken. Auch der mobile Zugriff auf individuell zusammengestellte Informations- und Unterhaltungsangebote sowie Multimedia-Übertragungen werden angepeilt. Mit diesen und ähnlichen Diensten soll die augenblickliche Stagnation im Mobilfunkgeschehen überwunden werden.

Vor allem aber möchten die Diensteanbieter den Umsatz pro Kunden möglichst verdoppeln - und daher Billignutzer wie die Prepaid-Kunden nicht in die neue schöne UMTS-Welt mitnehmen. "Kann man wirklich mit Prepaid-Kunden in UMTS Geld verdienen?" fragte kürzlich unverblümt Frank Rothauge, Leiter Technologie Research beim Bankhaus Sal. Oppenheim in Frankfurt. "Die Netzbetreiber haben uns dazu noch nichts sagen können. Einige interessieren sich bei UMTS jedenfalls gar nicht mehr für die Prepaid-Kundschaft und nehmen nur noch Vertragskunden." Vertragskunden sind eben die berechenbarere Klientel. "Doch mit nur der Hälfte Kunden wird es wieder eng, was die Break-even-Rechnung angeht."

Grit Klabuhn vom Berliner Büro der Eutelis Consult berichtete auf dem 7. Workshop der Berliner Initiative "Mobile Breitbandapplikationen" über eine Umfrage zur künftigen Akzeptanz von UMTS-Diensten. Danach setzen alle Lizenznehmer am Anfang nur auf Geschäftskunden. "UMTS-Anwendungen sind in den Anfangsphasen für den Consumerbereich zu teuer." Außerdem - so ein weiteres Ergebnis der Eutelis-Umfrage - wollen die Netzbetreiber im erstem Quartal 2003 bei UMTS langsam starten - mit 128 Kilobit pro Sekunde. Bei GPRS wird die Bremse angezogen: Über 53,6 Kilobit soll es nicht gehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar