Wirtschaft : Mobilfunk: E-Plus und Group 3G kooperieren bei UMTS

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Die Mobilfunkgesellschaften E-Plus und Group 3G werden beim Aufbau ihrer UMTS-Netze in Deutschland eng zusammenarbeiten. Das teilten die beiden Unternehmen am Freitag mit. Die Kooperation gehe über das bloße Teilen von Antennenstandorten deutlich hinaus. E-Plus und Group 3G wollen auch Netzelemente wie Antennen, Kabel, Sende- und Empfangsanlagen gemeinsam nutzen - und dabei Kosten in Milliardenhöhe sparen.

E-Plus ist nach T-Mobil (D1) und D2-Vodafone der drittgrößte Mobilfunkanbieter in Deutschland mit mehr als 7,5 Millionen Kunden. Mehrheitseigentümer ist der hochverschuldete niederländische Telekomkonzern KPN. Die Group 3G, ein Joint Venture der spanischen Telefónica und der finnischen Sonera, hat dagegen in Deutschland noch keinen einzigen Mobilfunkkunden. E-Plus und Group 3G haben im August 2000 jeweils eine Lizenz für ein Mobilfunknetz der dritten Generation (UMTS) erworben und dafür je 8,4 Milliarden Euro bezahlt.

Durch ihre Kooperation könnten E-Plus und Group 3G einen erheblichen Teil der Kosten für den Netzaufbau sparen, teilten beide mit. Außerdem ergebe sich ein signifikantes Einsparpotenzial bei den jährlichen laufenden Kosten. "Wir erwarten Einsparungen von rund 40 Prozent gemessen an den Gesamtinvestitionen", sagte ein Sprecher von Group 3G. Ursprünglich habe das Unternehmen bis zum Jahr 2010 mit Gesamtinvestitionen von 6,2 Milliarden Euro geplant. Bei E-Plus wurde das Sparpotenzial für das Netz mit einer Milliarde Mark "auf Sicht der nächsten Jahre" angegeben. Nicht eingerechnet seien dabei "Betriebskosten in dreistelliger Millionenhöhe". Diese kämen als zusätzliche Einsparung hinzu.

Die Lizenzbedingungen sehen vor, dass die sechs Anbieter - E-Plus, Group 3G, T-Mobil, Vodafone, Viag Interkom (künftig: O2) und Mobilcom - jeweils ein eigenes Netz aufbauen, das jeder unabhängig von den anderen Betreibern nutzen kann. Die Regulierungsbehörde, die die Lizenzen erteilte, gestattete den Firmen allerdings inzwischen, dass sie bestimmte Netzelemente gemeinsam nutzen dürfen. Bedingung bleibt, dass jedes Unternehmen die Funktionsherrschaft über das eigene Netz behält.

Im Juni hatten bereits T-Mobile International und die britische BT Wireless eine Zusammenarbeit bei Aufbau und Betrieb ihrer UMTS-Netze in Deutschland und Großbritannien vereinbart. Die Verhandlungen seien abgeschlossen, sagte ein Sprecher von T-Mobil. In Kürze würden die Verträge unterzeichnet. T-Mobile erwarte, durch die Kooperation rund drei Milliarden Euro in beiden Ländern zu sparen, was etwa 30 Prozent der Netzaufbaukosten entspreche.

Damit stehen derzeit noch Mobilcom und D2-Vodafone ohne Partner beim Netzaufbau da. Während D2 bislang einer Zusammenarbeit skeptisch gegenüberstand, ist Mobilcom weiterhin auf der Suche nach einer Allianz. Das Abkommen zwischen E-Plus und Group 3G biete die Möglichkeit für den Einstieg eines dritten Partners, hieß es. Ein 3G-Sprecher wollte sich aber nicht dazu äußern, ob derzeit mit Mobilcom über einen Einstieg verhandelt werde.

In der Branche wird Group 3G bei insgesamt sechs Anbietern die geringsten Chancen im deutschen UMTS-Geschäft eingeräumt. Mit E-Plus hatte Group 3G vor einigen Monaten bereits einen Vertrag über die Mitnutzung des bestehenden E-Plus-Netzes abgeschlossen. Group 3G will so bereits vor dem UMTS-Start als fünfter Betreiber in Deutschland zum Jahresende Mobilfunk- und Datendienste anbieten.

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