Wirtschaft : Mobilfunk-Lizenzen: Wahlverwandt dank UMTS (Kommentar)

Corinna Visser

Not macht erfinderisch. Noch sind die Mobilfunkbetreiber Europas zwar nicht notleidend, aber sie könnten es bald sein, wenn sie weiter so viel Geld für Lizenzen ausgeben müssen - jedenfalls scheinen das einige Mobilfunkunternehmen zu befürchten. Das Ergebnis der UMTS-Auktion in Großbritannien hat der Branche einen Schock versetzt. Mehr als 75 Milliarden Mark haben die Unternehmen dort insgesamt für die Mobilfunklizenzen der dritten Generation ausgegeben - eine Summe, bei der sich jetzt alle Fragen, wie das Geld wieder verdient werden soll.

Aber der Erfolgsdruck war hoch. Vieles spricht dafür, dass ein Mobilfunkbetreiber ohne die Lizenz für die neuen Komfortleistungen keine Zukunft hat. Wegen der horrenden Summen, die bei der britischen Auktion im Spiel waren, wurde das Versteigerungsverfahren heftig kritisiert. Dabei ist ganz klar: Nicht das Verfahren ist schuld. Es gibt keine gerechtere und effizientere Alternative zur Auktion. Und kein Unternehmen wird gezwungen, mehr auszugeben, als wirtschaftlich vertretbar ist. Nun ziehen die Mobilfunkgesellschaften ihre Konsequenzen. In den Niederlanden wird nur noch sehr zurückhaltend geboten. Außerdem schließen sich die Unternehmen zu Bietergemeinschaften zusammen und bündeln ihre Kräfte. Das wird mit Sicherheit auch die Einnahmen des deutschen Finanzministers bei der hiesigen Auktion schmälern. Die aus der Not geborenen Gemeinschaften - wie jetzt die neue Allianz von E-PLus / KPN, Hutchison und NTT - haben zudem die Chance, gleich in mehreren Ländern zum Zuge zu kommen. Der europäische Markt wird neu aufgeteilt. Wer keinen Partner findet, könnte zum Übernahmekandidaten werden.

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