Mobilfunk : Roaminggebühren sollen bis Sommer sinken

Die Bundesregierung will die teuren Gebühren für Handy-Telefonate im Ausland bis zum Sommer weiter senken. Widerstand leisten Länder mit vielen Touristen, wie Italien und Spanien.

Brüssel/Düsseldorf - "Wir wollen schnell eine Lösung haben", sagte Wirtschafts-Staatssekretärin Dagmar Wöhrl am Rande eines Treffens der zuständigen EU-Minister in Brüssel. Im Detail sind die 25 EU-Staaten über das so genannte Roaming zerstritten. Die Bundesregierung will Mobilfunkanbieter verpflichten, künftig einen Standard-Roamingtarif anzubieten. Damit würden Auslandstelefonate künftig maximal 50 bis 60 Cent pro Minute kosten statt derzeit bis zu drei Euro. Die Mehrheit der EU-Staaten lehnt Preis-Vorschriften für Handyfirmen aber ab.

"Ich bin sehr sehr optimistisch, dass wir während unserer EU-Ratspräsidentschft zu einem mehrheitsfähigen Kompromiss kommen werden", sagte Wöhrl. Deutschland hat den EU-Vorsitz im ersten Halbjahr 2007 inne. Der Standard-Roamingtarif sollte nach Wöhrls Angaben 30 Prozent über dem Preis für Inlandstelefonate liegen. Er wäre dann für alle europäischen Anbieter wie T-Mobile oder Vodafone verpflichtend. Damit folgt Deutschland Vorschlägen von EU-Medienkommissarin Viviane Reding, die für günstigere Auslandstelefonate in Europa kämpft.

Tourismusländer blockieren

Darüber hinaus will es das Wirtschaftsministerium den Firmen ermöglichen, Sonderangebote wie so genannte Flatrates anzubieten. Damit könnten Kunden etwa ein Paket von 100 Auslandsminuten kaufen, bei dem der Preis pro Minute günstiger wäre als beim Standardtarif. Mehrere Mitgliedstaaten wehren sich aber gegen verpflichtende Regeln für ihre Unternehmen. Länder mit vielen Touristen wie Spanien, Italien und Frankreich blockieren die Verhandlungen, weil sie eine wichtige Einnahmequelle für ihre Mobilfunkunternehmen wegbrechen sehen. Auch die neuen EU-Staaten Osteuropas sind nach Wöhrls Angaben überwiegend skeptisch.

Einen neuen Kompromissvorschlag Großbritanniens und Frankreichs sieht die Bundesregierung nach Wöhrls Angaben kritisch. Die beiden Staaten regten auf dem Ministertreffen eine Regelung an, die zunächst auf eine freiwillige Senkung der Handy-Gebühren durch die Handy-Netzbetreiber setzt. Nach einer Übergangsphase von sechs Monaten ("Sunrise-Klausel") soll dann überprüft werden, inwiefern die Preise für die Endkunden tatsächlich gesunken sind. Wöhrl sagte, damit liege die Gefahr eines "Herauszögerns" nahe, ohne dass Verbraucher wüssten, wann es zu einer Senkung der Roaming-Gebühren kommen würde. (tso/AFP)

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