Mobilfunk : Schnellstes Internet für Berlin - auf Probe

Besserer Empfang für Berlin: Zwei Fraunhofer-Institute entwickeln in der Hauptstadt den neuen Mobilfunkstandard 5G.

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Die Antennen fürs 5G-Testfeld werden auf dem sogenannten Telefunken-Haus der Technischen Universität am Ernst-Reuter-Platz installiert.
Die Antennen fürs 5G-Testfeld werden auf dem sogenannten Telefunken-Haus der Technischen Universität am Ernst-Reuter-Platz...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin - Wer heute auf sein Smartphone schaut, sieht bei guter Verbindung das „4G“- oder „LTE“-Zeichen auf dem Bildschirm aufleuchten als Hinweis für die Schnelligkeit der Datenübertragung. Doch in wenigen Jahren soll dort „5G“ stehen. Weltweit wird derzeit an dem neuen, noch schnelleren Mobilfunkstandard geforscht. Berlin will dabei besonders herausstechen und das erste globale Testfeld für den neuen Standard bieten, der Datenraten von bis zu zehn Gigabits pro Sekunde ermöglicht.

Mit jeweils 250 000 Euro fördert der Senat die Institute


Die beiden in Berlin ansässigen Fraunhofer Institute für Offene Kommunikationssysteme (Fokus) und Heinrich Hertz entwickeln die dafür notwendige Technik, am Montag stellte sie das Projekt vor. So arbeitet das Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik an einer Antennen-Technologie, das Fokus-Institut an einer Netzplattform, die als Testumgebung für 5G-Technologien und Anwendungen dient. Beide Institute werden dabei mit jeweils rund 250 000 Euro von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung gefördert – nur ein Bruchteil dessen, was für die globale Entwicklung und Umsetzung des Standards notwendig ist. Diesen Betrag schätzt Hans Reckers, Staatssekretär der Senatsverwaltung, auf etwa drei Milliarden Euro. In Berlin sind die beiden Mobilfunkunternehmen Telekom und Nokia Partner, die ihre Kosten jedoch nach Angaben von Reckers selbst tragen.

5G wird beispielsweise für autonomes Fahren benötigt

Die Entwicklung des neuen 5G-Standards ist angesichts der zunehmenden Digitalisierung notwendig, beispielsweise um Daten wie beim autonomen Fahren oder der Produktion in vollvernetzten Fabriken in Echtzeit übertragen zu können. Allerdings wird 5G erst 2020 markttauglich sein. Erste Tests im öffentlichen Raum werden für ausgewählte Nutzer bereits ab 2017 möglich. So sollen beispielsweise Start-ups Apps testen können.
„Wir wollen der führende Standort für 5G in Europa werden“, erklärte Reckers am Montag. Mit dem neuen Standard beginne „eine neue Ära“, da 5G ein „entscheidender Treiber der digitalen Transformation“ sei. Mit den Fraunhofer Instituten Heinrich Hertz und Fokus habe Berlin zwei Einrichtungen der Spitzenforschung, die bei der Entwicklung von 5G international Impulse setzten.

Die von den Instituten entwickelten Projekte seien wichtige Bausteine für ein smartes Netzwerk. Sie würden dazu beitragen, 5G frühzeitig prototypisch zu realisieren und es im Rahmen eines Testfeldes erfahrbar zu machen. So soll das „5G Radio Massive Mimo“-Projekt des Heinrich-Hertz-Institutes gewährleisten, dass die 5G-Netzwerke in Zukunft enorm schnell sind und einer größeren Zahl von Nutzern mehr Zuverlässigkeit und Energieeffizienz bieten. Anschließend würden die 5G Technologien und Anwendungen auf der „5G-Ready Plattform“, einer integrierten, software-basierten Netzplattform des Fraunhofer Fokus-Institutes evaluiert. Die „5G Ready Plattform“ sehe vor, bestehende und neueste Netztechnologien zu nutzen und die Leistungsfähigkeiten dieser Technologie zu veranschaulichen.

Trotzdem gibt es weiter "weiße Flecken" auf der Landkarte

Um 5G realisieren zu können, ist jedoch auch ein weiterer Ausbau des Glasfaserkabelnetzes notwendig. Und auch mit dem neuen Standard wird es weiterhin weiße Flecken auf der Karte geben, wo der Datenempfang deutlich langsamer ist als in eher urbane Regionen. „Dennoch wird 5G eine bessere Flächenabdeckung haben als 4G“, erklärte Bernd Bochow vom Fokus-Institut. Ohnehin würden die bereits bestehenden Netze weiterhin genutzt werden.


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