Wirtschaft : Mobilfunk: Vodafone ist Etappensieger im UMTS-Wettlauf

Corinna Visser

Die europäische UMTS-Landschaft ist weitgehend aufgeteilt, die Lizenzen in den wichtigsten Mobilfunkmärkten sind vergeben - nur Frankreich fehlt noch. Im Wettstreit um die begehrten Lizenzen zeichnen sich bereits die Sieger ab: der britische Mobilfunkkonzern Vodafone und der französiche Telefonkonzern France Télécom. Abgeschlagen sind die Deutsche Telekom und British Telecom. Doch die missglückte Auktion in der Schweiz Anfang der Woche hat gezeigt, dass sich bei den Mobilfunkbetreibern nach der anfänglichen UMTS-Euphorie Ernüchterung einstellt. Denn die Milliardenausgaben allein für die Lizenzen sind erst der Anfang, weitere Milliarden müssen noch in den Aufbau der Netze fließen, bevor überhaupt eine Mark verdient werden kann. Kritiker bezweifeln, dass die Kunden bereit sein werden, viel Geld für die neuen mobilen Multimediadienste auszugeben, um die Investitionen zu finanzieren.

In einer Studie geht die Unternehmensberatung Arthur Andersen davon aus, dass der europäische Mobilfunkmarkt bis zum Jahr 2010 auf ein Volumen von 156 Milliarden Dollar anwachsen wird. Vodafone, der weltgrößte Mobilfunkbetreiber, hat in allen wichtigen Märkten Europas eine UMTS-Lizenz erworben. Nach Berechnungen von WestLB Panmure erreicht Vodafone damit schon heute eine Bevölkerung von etwa 220 Millionen Menschen in Europa. Die Deutsche Telekom auf Platz zwei erreicht nur etwa 150 Millionen Menschen. Dabei hält der britische Konzern die Lizenzen über Unternehmen, an denen er mehrheitlich beteiligt ist. So kann Vodafone europaweit ein durchgehendes Netz aufbauen. Und noch etwas macht die Briten stark: "Nach den Deals der vergangenen zwölf Monate steht Vodafone finanziell am besten da", sagt Frank Wellendorf von WestLB Panmure.

Vodafone musste nach der milliardenschweren Übernahme von Mannesmann Anfang des Jahres deren Mobilfunktochter Orange wieder abgeben. 40 Milliarden Euro zahlte France Télécom, davon 22 Milliarden Euro in bar. Es folgten die Verkäufe der Industriesparte Atecs und im Oktober der italienischen Festnetzgesellschaft Infostrada. Wiederum flossen allein 14,5 Milliarden Euro Bargeld in die Kassen von Vodafone.

So teuer der Orange-Kauf für France Télécom auch war, er sichert dem Konzern einen Spitzenplatz in der UMTS-Rangliste. Erreichbare Bevölkerung aktuell: etwa 120 Millionen Menschen. "France Télécom hat eine sehr gute Position, weil es in den wichtigsten Märkten - Deutschland, Italien und Großbritannien - vertreten ist und erwartungsgemäß auch im eigenen Land eine Lizenz erwerben wird", sagt Hans Huff von der Bankgesellschaft Berlin. Nur in Spanien ging France Télécom leer aus, ebenso wie die Deutsche Telekom. Bei der klafft zudem eine Lücke in Italien. Auch in Frankreich blieb ihre Partnersuche bisher erfolglos.

Immerhin drückt die Schuldenlast durch die UMTS-Kosten die Telekom nicht so stark wie etwa British Telecom. Und die Telekom kann mit einem wertvollen Pfund wuchern: ihrer starken Position in Deutschland. In zehn Jahren wird Deutschland laut Arthur Andersen mit 23 Prozent den größten Marktanteil im Mobilfunk erreichen, Großbritannien und Frankreich jeweils 17 Prozent. Doch in Deutschland hat die Telekom einen starken Konkurrenten: Vodafone.

Wenig optimistisch schätzt jedoch die Unternehmensberatung Mummert und Partner die Erfolgsaussichten von UMTS ein. "Die Lizenzen sind zu teuer, das lässt sich nicht mehr refinanzieren", sagt der Telekommunikationsexperte Andreas Hoffmann. Und der Wettbewerb wird härter. Allein in Deutschland, wo sich bisher vier Netzbetreiber den Markt teilen, wird es künftig sechs UMTS-Anbieter geben. Und UMTS sei kein neues Produkt in einem neuen Markt. Die Verbraucher hätten sich an die Preise und Leistungen der jetzigen Mobilfunknetze gewöhnt und seien in der Masse nicht bereit, mehr Geld auszugeben. Ende 2000 erwartet Hoffmann 50 Millionen Mobilfunkkunden in Deutschland, Ende 2001 sollen es bereits 70 Millionen sein. "Der Markt geht seiner Sättigung entgegen", sagt er. Und UMTS kommt frühestens 2002. Bis dahin werden auch die bestehenden Netze leistungsfähiger werden - nicht so gut wie UMTS, aber auf jeden Fall billiger.

Gute Chancen sieht Hoffmann allerdings für europaweit aufgestellte UMTS-Anbieter wie Vodafone und France Télécom. Sie könnten ihren Kunden einen attraktiven Mehrwert bieten: auf dem gesamten Kontinent im selben Netz zu telefonieren. Zudem hätten beide auch dort Lizenzen erworben, wo das Preisniveau niedriger ist. "Sie können in den preiswerteren Ländern Dienste entwickeln, die sie dann überall anbieten können." Im Gegensatz dazu seien die Deutsche Telekom und British Telecom vor allem dort zum Zuge gekommen, wo Lizenzen besonders teuer waren.

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