Wirtschaft : Mobilfunkaktien beflügeln die Phantasie der Analysten

SANDRA SCHUFFELEN (HB)

Die Branche boomt und sorgt für gute KursdynamikVON SANDRA SCHUFFELEN (HB)Beim Thema Mobilfunkaktien geraten Finanzanalysten ins Schwärmen."Unglaublich profitabel", "hervorragende Geldanlage", "enorme Wachstumschancen" lauten die begeisterten Kommentare der Aktienspezialisten.Tatsächlich sprechen die Zahlen für einen Einstieg in diese Branche.Zuletzt bewies Mannesmann in der vergangenen Woche, daß im Mobilfunk-Bereich glänzende Geschäfte zu machen sind.Allein in den nächsten drei Jahren soll der Markt für Mobilfunkprodukte jährlich um rund 20 Prozent wachsen.Ähnliche Steigerungen setzen sich die Unternehmen als Ziel bei Umsatz und Gewinn und sorgen nicht zuletzt damit für Kursdynamik.Aus Sicht der Finanzanalysten gibt es jedoch Favoriten.Als Kaufkandidaten empfiehlt die Mehrzahl der Experten die Aktien von Nokia und Ericsson.So zum Beispiel Markus Pfeffer, Fondsmanager der Kölner Privatbank Oppenheim, bei dem die Skandinavier ganz oben auf der Prioritätenliste stehen."Im Mobilfunksektor sind Nokia und Ericsson erste Wahl", so Pfeffer, "beide Unternehmen konzentrieren sich auf ihr Kerngeschäft und profitieren deshalb in hohem Maß vom weltweiten Handy-Boom." Trotz der jüngsten Kursrallye hält er beide Titel nach wie vor nicht für zu teuer.Gleicher Meinung ist Marcus Sander, Skandinavien-Experte der Nord/LB in Hannover: "Die Gewinnperspektiven beider Unternehmen sind hervorragend." In den nächsten beiden Jahren werde der Gewinn pro Aktie bei Nokia jeweils um 20 Prozent steigen.Ericsson soll ähnliche Prozentsätze erreichen.Zwar habe das Unternehmen im vergangenen Jahr beim Verkauf von Mobiltelefonen Marktanteile an seinen schwedischen Konkurrenten verloren.Während bei Ericsson 1997 der Umsatz mit Handys um 87 Prozent gestiegen sei, habe Nokia einen Zuwachs von lediglich 28 Prozent verbucht."Doch Nokia wird die verlorenen Marktanteile noch in diesem Jahr zurückgewinnen", ist Sander überzeugt.Für die Siemens-Aktie setzt WestLB-Analyst Adrian Hopkinson das Kursziel auf Sicht der nächsten drei Monate auf 125 DM (aktuell 114,50 DM).Siemens sei in bezug auf die Mobilfunk-Infrastruktur zwar ein Spätzünder, doch das Unternehmen habe die Aufholjagd bereits angetreten, meint Hopkinson.Telekommunikation ist bei Siemens der zweitgrößte Geschäftsbereich mit Umsätzen von rund 27 Mrd.DM.23 Prozent davon beziehen sich auf Mobilkommunikation.Noch optimistischer als die WestLB bewerten Bankgesellschaft Berlin und Hamburgische Landesbank die Kurschancen für Siemens und stufen die Aktie deshalb mit "übergewichten" ein.Die Auftragsverluste in Asien würden durch die guten Geschäfte in Europa und Südamerika mehr als ausgeglichen, erklärt Hans Huff von der Bankgesellschaft.Auch aus Sicht von Daniel Benz von der Zürcher Kantonalbank "schlägt das Shareholder-Value-Konzept bei Siemens voll durch".Ebenfalls zu den Spätstartern im Mobilfunkmarkt zählt das französische Unternehmen Alcatel Alsthom."Als Turnaround-Kandidat ist Alcatel für Anleger durchaus interessant", meint Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank, "auch wenn die Franzosen mit der technischen Entwicklung der Skandinavier nicht Schritt halten können." Nach massiven Umstrukturierungen sei Alcatel 1997 wieder in die Gewinnzone gekommen.Das künftige Ertragswachstum spiegele sich noch nicht in der Kursbewertung wider, sodaß weiteres Kurspotential vorhanden sei, so der Analyst.Für seinen Kantonalbank-Kollegen Guisep Demont ist beim Blick in die USA - dort haben die Schwergewichte der Branche, Motorola und Lucent, ihren Sitz - die Lage eindeutig.Anleger sollten die Lucent-Aktie kaufen.Denn Motorola habe im zukunftsträchtigen digitalen Bereich den Anschluß an die technische Entwicklung teilweise verpaßt.Lucent dagegen sei gerade im Bereich Forschung und Entwicklung, in den das Unternehmen zehn Prozent seines Umsatzes investiere, besonders stark.Neben Lucent ist für den Aktienspezialisten auch Northern Telecom ein Kaufkandidat.Die Kanadier hätten im letzten Quartal ein ausgezeichnetes Ergebnis hingelegt und seien international auf Wachstumskurs.Skeptischer sind die Analysten dagegen beim japanischen Technologiekonzern NEC."Aufgrund der schwachen Konjunktur in Japan läuft das PC-Geschäft, das rund 40 Prozent des Umsatzes ausmacht, nur schleppend", meint Tomoko Weißmeier, Anlagestrategin bei der Deutschen Bank.Fazit: Wer vom Wachstum der Mobilfunkausrüster profitieren will, sollte die Europäer, besonders die Skandinavier, im Blick haben.Die Kursschwäche bei Technologie-Aktien, ausgelöst durch den Kurssturz bei Intel, sorgt bei Mobilfunktiteln für attraktive Einstiegskurse.

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