Wirtschaft : Mobilfunkkunden bleiben gebunden

BONN/MÜNCHEN (AP/dpa).Die Entscheidung, ob die Telefonkunden künftig auch beim Handy ihre Gespräche wahlweise über verschiedene Telefongesellschaften führen dürfen, wird vorerst aufgeschoben.Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post und das Bundeswirtschaftsministerium seien darüber "im Gespräch", eine Entscheidung werde aber voraussichtlich erst Ende des Jahres fallen, sagte ein Sprecher der Regulierungsbehörde am Montag in Bonn.Wirtschaftsminister Günter Rexrodt pochte erneut darauf, auch Mobilfunkkunden die Wahl einer anderen Telefongesellschaft zu erlauben.

Hintergrund ist eine Ausnahmeregelung für den Mobilfunk: Während die Telefonkunden im Festnetz für jedes einzelne Gespräch die Gesellschaft auswählen können, über die sie das Gespräch führen wollen (call by call), sind sie beim Handy auf das Unternehmen beschränkt, mit dem sie einen Vertrag haben.Die Regulierungsbehörde wollte diese Regelung für die gesamte Laufzeit der Mobilfunklizenz, insgesamt 20 Jahre, verlängern.Das stieß beim Bundeswirtschaftsminister jedoch auf scharfe Ablehnung.

Genauso wie im Festnetzbereich müsse es auch im Mobilfunk zu mehr Wettbewerb durch die Wahl der Telefongesellschaft kommen, verlangte Rexrodt.Aus Gründen des Wettbewerbs und im Interesse der Kunden dürfe die Ausnahmeregelung nicht verlängert werden: "Die Zulassung von Verbindungsnetzbetreibern von Mobilcom, Talkline und anderen hat sich im Festnetzbereich als das entscheidende Wettbewerbselement erwiesen, das zu Preissenkungen um bis zu 70 Prozent geführt hat", erklärte der Wirtschaftsminister.Einen Bestandsschutz für die Mobilfunkunternehmen dürfe es dabei nicht geben: Jede Gesellschaft habe bei der Lizenzvergabe damit rechnen müssen, daß sich die Verhältnisse veränderten.

Unterdessen hat der Viag-Konzern Spekulationen über Einstiegspläne bei der mehrheitlich zu Veba und RWE gehörenden Telefongesellschaft Otelo dementiert.Eine Sprecherin der Viag AG widersprach am Montag einer Meldung des Branchenmagazins "Connect", wonach mit Veba und RWE über eine Beteiligung von 22,5 Prozent an Otelo verhandelt wird.Auch die Veba dementierte diese Spekulationen entschieden.Die Verhandlungen mit der US-Gesellschaft Bell South über eine Beteiligung an Otelo liefen weiter.

Die Viag steht mit ihrer Tochter Viag Interkom kurz vor dem Start des Mobilfunknetzes E 2, der voraussichtlich im Oktober erfolgen soll.E 2 tritt in Konkurrenz zu den schon etablierten Mobilfunknetzen D 1 (Deutsche Telekom), D 2 (Mannesmann Arcor) und E-Plus.E-Plus ist eine Tochter von Otelo.Die E-Plus Service GmbH (Potsdam) will im laufenden Jahr im operativen Geschäft schwarze Zahlen schreiben.Damit werde die Gewinnschwelle etwas später erreicht, als es bei der Unternehmensgründung 1994 erwartet worden war, sagte Geschäftsführer Klaus O.Schmidt am Montag in Potsdam.Die Teilnehmerzahl, die im Juni 1998 erstmals eine Million erreichte, soll Ende des Jahres 1,4 Millionen betragen.

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