Wirtschaft : Mobilfunklizenzen: Nun droht auch Frankreich eine UMTS-Pleite

Nach dem Rückzug der Deutschen Telekom steht die Vergabe von UMTS-Mobilfunklizenzen in Frankreich unter einem schlechten Stern. Nach Angaben der Zeitung "Les Echos" vom Mittwoch gibt es für die vier angebotenen Lizenzen nun nur noch ebensoviele Bewerber, weil neben der Deutschen Telekom auch das Konsortium Hutchison, KPN und NTT-Docomo nicht mehr an einer Lizenz interessiert sei. Vor einem Monat endete bereits die italienische UMTS-Auktion wegen zu geringer Bieterzahl mit einem Fiasko. In Österreich ging die Lizenzversteigerung weit unter den Einnahmeerwartungen des Staates aus, während die Schweizer Auktion wegen bröckelnder Bieterfront derzeit auf Eis liegt. Die Deutsche Telekom hatte am Dienstagabend angekündigt, sie werde sich nicht um eine UMTS-Lizenz in Frankreich bewerben.

Im Sommer hatte die Pariser Regierung noch mit sieben bis zehn Kandidaten gerechnet und je Lizenz einen Pachtpreis von 9,75 Milliarden Mark festgesetzt. Anders als die meisten übrigen Staaten will Frankreich seine Lizenzen für den Aufbau multimedia- und internetfähiger Mobilnetze nicht meistbietend versteigern, sondern nach einem zentralen Bewerbungsverfahren langfristig verpachten. Um die vier Lizenzen bewerben sich jedoch offenbar nur noch einheimische oder französisch geführte Gruppen: der Ex-Monopolist France Télécom, der private Mobilnetzbetreiber SFR (Vivendi, Vodafone und British Telecom), Bouygues Télécom (mit der italienischen TIM) und als einziger neuer Mobilfunkanbieter das Konsortium ST3G des Mischkonzerns Suez und der spanischen Telefónica. Beobachtern schien fraglich, ob die Pariser Regierung noch die erwarteten UMTS-Einnahmen in Höhe von umgerechnet 39 Milliarden Mark erreichen kann.

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