Mobilität : Mehr Tempo für Elektroautos

Elektromobilität: Die deutsche Autoindustrie vermisst politische Entschiedenheit und EU-Standards bei der staatlichen Förderung.

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Den Kauf subventionieren? Ohne Anreizprogramme dürfte selbst der Kauf eines Elektro-Smart auf absehbare Zeit zu teuer sein.
Den Kauf subventionieren? Ohne Anreizprogramme dürfte selbst der Kauf eines Elektro-Smart auf absehbare Zeit zu teuer sein.Foto: ddp

Berlin - Die milliardenschwere Förderung der Elektromobilität in Ländern wie Frankreich und Italien bereitet der deutschen Autoindustrie zunehmend Sorgen. Der Präsident des Verbandes der Deutschen Autoindustrie (VDA), Matthias Wissmann, appellierte am Dienstag in Berlin an die Bundesregierung, über die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) hinaus aktiv zu werden: „Bitte tun Sie alles dafür, dass sich die großen Autoländer Europas auf gemeinsame Rahmenbedingungen verständigen“, sagte Wissmann. Es dürfe keinen Subventionswettlauf geben, Europa brauche ein einheitliches Wettbewerbsumfeld. Auch mit den USA müsse ein gemeinsamer Rahmen etwa für technische Standards und Normen gefunden werden. „Ein Desaster wie beim Mobilfunk mit einem Steckersalat können wir uns bei der Elektromobilität nicht erlauben“, sagte Wissmann bei einer Veranstaltung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

Werner Ressing, Leiter der Abteilung Industriepolitik im Bundeswirtschaftsministerium, hält den Förderrahmen in Deutschland von 500 Millionen Euro für zunächst angemessen. „In den USA wird mit umgerechnet 15 Milliarden Euro aus der Gießkanne weniger erreicht als bei uns mit 500 Millionen Euro.“ Beim Thema Normung mache die Bundesregierung bei der EU-Kommission Druck. Die heimischen Hersteller müssten aber grundsätzlich darauf achten, nicht den Anschluss zu verpassen. Das gesamte System der Elektromobilität müsse sich im Sinne der Verbraucher drastisch verbilligen. „Das können auch die größten Anreizsysteme nicht alleine leisten“, sagte Ressing.

Klaus-Peter Müller, Präsident des Deutschen Verkehrsforums, wies auf den internationalen Wettbewerbsdruck hin. Es sei nachvollziehbar, dass die Bundesregierung zunächst keine fiskalischen Anreize für die Käufer von Elektroautos beschließen wolle. „Aber die Nutzerseite muss angemessen berücksichtigt werden“, sagte Müller. Es sei daher ratsam, die Erwartungen der Verbraucher in die Überlegungen einzubeziehen und zu gegebener Zeit auch den Kauf von Elektrofahrzeugen vorübergehend zu fördern. „Das gebietet schon die Wettbewerbsgleichheit mit anderen Ländern, die vorangegangen sind“, sagte Müller, der auch Aufsichtsratschef der Commerzbank ist. Zugleich müsse Deutschland massiv in die Batterieproduktion investieren, um die Kosten der Technologie zu senken. E-Mobilität müsse „aus sich heraus“ bezahlbar sein. Dies sei für die Industrie zwar ein „dickes Pflichtenheft“, das nur mit großer und gemeinsamer Anstrengung bewältigt werden könne. Doch „davon hängt für Deutschland viel ab“, sagte Müller.

Nach Angaben von Autopräsident Wissmann investiert die deutsche Autoindustrie in den kommenden drei bis vier Jahren zehn bis zwölf Milliarden Euro in die Entwicklung und Produktion alternativer Antriebe. „Den größten Teil stemmen wir“, sagte Wissmann. Es würden aber ebenso große Anstrengungen in der öffentlichen Förderung benötigt, zum Beispiel für Pilotanlagen zur Fertigung von Batterien. „Es muss bald Klarheit über die Zahlen herrschen und strategische Planbarkeit geschaffen werden“, so der VDA-Präsident.

Klaus Mittelbach, Vorsitzender der Geschäftsführung des Elektroindustrieverbandes ZVEI, forderte mehr Entschiedenheit aller Beteiligten: „Wir müssen konzertiert vorgehen, um das Tempo mitgehen zu können, das in Asien vorgelegt wird.“ Intelligente Stromnetze, in die ein höherer Anteil erneuerbarer Energie eingespeist werde, müssten fertig sein, wenn die ersten Elektroautos auf den Markt kämen. „Wir dürfen nicht nachlassen“, warnte Mittelbach. Entscheidend werde für die deutschen Unternehmen sein, dass sie weltweit Leitanbieter würden. „Der deutsche Markt ist zu klein.“

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