Wirtschaft : Mode ohne Gesicht

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Für Jil Sander ist Mode „die Kunst, Überflüssiges wegzulassen“. Als erste deutsche Designerin zeigte sie ihre Kollektionen ab 1985 in Mailand und prägte 15 Jahre lang das Bild einer schnörkellosen, aber luxuriösen Mode aus Deutschland. In kaum einer anderen Branche spielen Marken eine so große Rolle wie in der Mode. Und in keiner anderen hängen sie so sehr an Personen.

Als der Luxusmarkt in die Krise gerät, verkauft Jil Sander das von ihr gegründete Unternehmen 1999 für rund 100 Millionen Euro an den italienischen Modekonzern Prada. Kurz nach der Übernahme verlässt sie jedoch das Unternehmen im Streit mit PradaChef Patrizio Bertelli. Seither gerät das Unternehmen Jil Sander immer tiefer in die Krise. Zunächst agiert Milan Vukmirovic als Chefdesigner. Doch er trifft den Geist der Marke nicht. Ohne Jil Sander funktioniert Jil Sander eben nicht. Im Mai 2003 kehrt die Designerin ins Unternehmen zurück – um bereits im Herbst 2004 die Zusammenarbeit erneut zu beenden. Im Streit.

Bisher sind alle Sanierungsbemühungen Pradas fehlgeschlagen. Im vergangenen Jahr setzte Jil Sander zwar 137,5 Millionen Euro um, machte aber einen Verlust von 29,6 Millionen Euro. Der neue Jil-Sander-Chef Gian Giacomo Ferraris will die Produktion von Hamburg nach Italien verlagern und 2006 wieder schwarze Zahlen schreiben. Doch am liebsten würde Prada die Marke Jil Sander wohl einfach wieder loswerden. Aber es findet sich kein Käufer. Zuletzt soll es Verhandlungen mit dem Modekonzern Esprit gegeben haben.

Ganz aufgegeben hat Prada aber noch nicht: Jetzt, nach Jil Sanders zweitem Weggang, soll der international anerkannte belgische Nachwuchsdesigner Raf Simons als neuer Kreativchef der Marke wieder Glanz verschaffen. vis/S. N.

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