Wirtschaft : Mode wird zum Wirtschaftsfaktor in Berlin

Boss und Strellson eröffnen „Flaggschiffe“ in der Hauptstadt – weitere Unternehmen könnten folgen

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Berlin Dass Berlin zu einer europäischen Mode-Metropole avanciert, ist derzeit oft zu lesen: An diesem Wochenende hoffen drei internationale Messen – die „Bread & Butter“, die „B in Berlin“ und die „Premium“ – auf insgesamt 60 000 Besucher. So schön das ist, von Paris oder Mailand ist man noch weit entfernt. Dennoch ist Mode in Berlin mehr als ein Happening und entwickelt sich zunehmend zu einem Wirtschaftsfaktor. Neben den vielen kleinen Couturiers und Modemachern geht es dabei vor allem um den Einzelhandel.

Mit Hugo Boss und Strellson machen gerade zwei große Marken mit aufwändigen, besonders auffälligen Läden mit einzigartiger Einrichtung den Schritt nach Berlin. Natürlich kann man dort auch einkaufen, aber vor allem sollen die Marken in Szene gesetzt werden. Niketown, ein Flaggschiff des US-Sportartikelherstellers am Tauentzien, zieht schon seit Jahren Heerscharen von Touristen und Einheimischen an.

Im neuen Hugo-Store am Hackeschen Markt in Mitte leuchten 300 LED-Leuchten auf Wunsch in Rot, die Falttüren der Umkleidekabinen öffnen sich auf Knopfdruck. Die Ware hängt auf Aluminiumständern oder liegt auf Regalen aus verwittertem Lärchenholz. Berlin ist Vorreiter, das Design des 350-Quadratmeter-Ladens soll demnächst auch in den Dependancen in London, Paris und Tokio übernommen werden. Keine andere deutsche Metropole soll das Design bekommen, Berlin steht allein.

Hugo Boss spricht davon, „charakteristische Merkmale der Stadt“ in die „Shoppingfläche zu integrieren“ – zum Beispiel mit einem Miniatur-Relief von Berlin. In dem Geschäft werden sieben Mitarbeiter beschäftigt. „Berlin ist als Modestadt für uns extrem wichtig“, sagt ein Unternehmenssprecher. Besonders sei vor allem, dass sich hier auch junge und modebewusste Menschen leisten könnten, wegen der niedrigen Mieten mitten im Zentrum zu leben.

Neben dem neuen Hugo-Store betreibt das Unternehmen auch einen Boss-Laden in der Friedrichstraße. Das klassische Boss-Label und sein etwas progressiveres Pendant Hugo sind unterschiedliche Marken des Konzerns. Weitere Filialen der beiden Marken sind in Berlin vorerst nicht geplant.

Auch Strellson Menswear expandiert in der Hauptstadt und eröffnet am Samstag seinen ersten Shop in Berlin. Betreiber ist das Kaufhaus Galeries Lafayette, neue Arbeitsplätze entstehen daher nicht. „Der Berliner Modemarkt bietet ein starkes Wachstumspotenzial“, sagt eine Sprecherin des Schweizer Modeherstellers mit weltweit über 30 Shops und rund 400 Mitarbeitern. Gründe seien das für eine Hauptstadt typische internationale Publikum und die Modemessen. Im Herbst sei daher ein weiterer Shop im Kaufhaus des Westens geplant.

„Wir rechnen damit, dass noch mehr Modeunternehmen nach Berlin kommen werden“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Jan Eder. Die Hauptstadt ziehe vor allem junge und kreative Menschen an. „Das ist eine gute Basis dafür, dass auch internationale Marken ihren Weg in die Stadt finden“, sagt Eder. „Die Modebranche ist eine boomende Branche.“ Allerdings nennt er keine Zahlen.

Modeakzente hat auch Vivienne Westwood in Berlin gesetzt. Zwölf Jahre hat die britische Star-Designerin an der Universität der Künste (UdK) gelehrt und sich in diesem Sommer aus der Hauptstadt verabschiedet. Den Titel Ehrensenatorin hatte sie im Gepäck und gab das Versprechen, Berlin mal wieder zu beehren – dann allerdings als Touristin. awm/fw/mod/pvs

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