Wirtschaft : Modeaktien stehlen Dax-Titeln die Schau

ich/ant/HB

Mode ist und bleibt nicht wirklich berechenbar: Während der Handel weiter über Kaufzurückhaltung klagt und die Branchenanalysten sich in Vorsicht üben, klettert der von der Fachzeitschrift Textilwirtschaft monatlich erhobene Mode-Aktien-Index (MAI) munter nach oben. Auch zu Frühlingsbeginn hält er sich weder an Branchengejammer noch an Modediktate, sondern überflügelt wieder einmal die deutschen Standardwerte.

Während der Deutsche Aktienindex (Dax) im März lediglich um rund sieben Prozent auf 5397 Punkte stieg, legte der MAI fast elf Prozent auf 6748 Zähler zu. Und das, obwohl er auch die Aktie des Wünsche-Konzerns berücksichtigt, dessen Börsenwert sich im Zuge des laufenden Insolvenzverfahrens um mehr als 70 Prozent verringerte.

Wachsende Lust auf Luxus

Gerade in Krisenzeiten wächst die Lust auf Luxus. Vielleicht hat ja auch der Glamour der Oscar-Nacht, die längst zum Schaulaufen der großen Modemarken geworden ist, zum Aufschwung der Escada-Aktie beigetragen. Analysten tippen jedoch eher auf die von Escada angekündigte Konzentration auf das Kerngeschäft - eben den Luxus. Auf jeden Fall hat sich der Wert der Aktie im März um gut ein Drittel erhöht, obwohl Analysten noch zu Jahresbeginn vor dem hohen Risikopotenzial warnten und Anlegern zum Verkauf der Aktie rieten.

"Auf dem gegenwärtigen Kursniveau ist Escada gerade richtig bewertet", sagt Peter Wirth, Analyst bei WestLB Panmure. Er traut es dem Management zwar zu, die auf der Hauptversammlung noch einmal bekräftigten Planzahlen zu erfüllen, doch das sei im Kurs bereits eingepreist. Deshalb bewertet er die Escada-Aktie mit "neutral".

Das gleiche Anlageurteil fällt er mit Blick auf den Wettbewerber Gerry Weber. Für den privaten Anleger sei die Gerry-Weber-Aktie, die im März ein Plus von rund fünf Prozent verbuchte, allerdings die bessere Wahl. Zumal das Unternehmen für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Bonusdividende von 50 Cent in Aussicht gestellt hat. Zusammengenommen mit der gewöhnlichen Ausschüttung von 31 Cent je Aktie ergibt das auf dem gegenwärtigen Kursniveau eine außerordentliche Dividendenrendite von beachtlichen 7,5 Prozent.

Auch bei der Boss-Aktie bleibt WestLB Panmure vorsichtig: Das Anlageurteil lautet ebenfalls "neutral". Das Unternehmen, das die führende deutsche Marke für Männer-Mode produziert, macht keinen Hehl aus seinen Problemen mit der Damenkollektion. Bei den Börsianern findet Boss jedoch nicht nur Werbeträger, sondern offenbar auch Vertrauen: Im März verteuerte sich die wie Escada und Gerry Weber im M-Dax vertretene Aktie um mehr als neun Prozent. Zu den Gewinnern gehörte auch die Sportmode, der vielleicht die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft den Kick gab. Puma verteuerten sich fast um ein Viertel, Adidas kletterten um knapp zehn Prozent.

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