Wirtschaft : Modebranche: Was wird aus Joop! ohne Wolfgang?

Corinna Visser

Ein berühmter Name allein macht noch keinen geschäftlichen Erfolg. Was aber passiert, wenn der Namensgeber einer Firma das Unternehmen verlässt und das in einer Branche, in der Namen und Marken eine so wichtige Rolle spielen wie in der Modewelt? Der Designer Wolfgang Joop will sich ganz aus der Joop! GmbH zurückziehen und zieht damit einen Schlussstrich, "unter eine fortdauernde Auseinandersetzung mit wechselnden Geschäftsleitungen der Joop! GmbH und dem Mitgesellschafter Wünsche AG".

Die Wünsche AG hatte im Februar 1998 die Mehrheit (95 Prozent) an Joops Unternehmen für rund 150 Millionen Mark erworben. Jetzt will Joop die restlichen fünf Prozent an Wünsche für zehn Millionen Mark abgeben. In seinen Augen ist es der Wünsche GmbH nicht gelungen, den von ihm angestrebten Anschluss an die internationalen Marktführer zu erreichen. Er habe die Firma mit "560 Millionen Umsatz übergeben und gehofft, das in vier fünf Jahren verdoppeln zu können. Das Gegenteil ist passiert," sagte Wolfgang Joop der "Bild".

Die Joop! GmbH schreibt bei einem Umsatz von rund 42,5 Millionen Mark rote Zahlen. Auch die Umsätze der Lizenzprodukte unter dem Label Joop! von 505 Millionen Mark werden laut dem Wünsche-Vorstand in diesem Jahr weiter zurückgehen. Joops Rückzug fürchten der Wünsche-Vorstand und Joop!-Geschäftsführer Wolfgang Freuer offenbar nicht. Die Marke Joop! habe nach ihrer Ansicht ohne Wolfgang Joop sogar mehr Potenzial hat als mit ihm. "Das ist die einmaligste Aussage, die in der Welt der Mode bisher getätigt worden ist", konterte Joop in der Bild. Und: Seinen Namen lasse er sich von niemandem nehmen. Die Markenrechte an Joop! liegen jedoch bei der Joop! GmbH. Ob und wie Wolfgang Joop seinen Namen in der Modebranche weiter nutzen kann, das sei ein "riesiges rechtliches Problem", das noch verhandelt werden müsse, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

"Joop ist zwar ein Personenname, gleichzeitig ist Joop! aber eine Marke, die unabhängig von der Person übertragen werden kann", sagt Christopher Scholz, Leiter der Rechtsabteilung beim Markenverband. "Nach unserer Erfahrung führt eine Marke ein Eigenleben - unabhängig von der Person, der sie den Namen verdankt." So würden die wenigsten Verbraucher davon ausgehen, dass etwa der Modeschöpfer Karl Lagerfeld jede seiner Parfüm-Kreationen selbst entwerfe. Eine Marke sei mit einem bestimmten Image und einem Qualitätsversprechen verbunden, das nicht sofort verloren gehe, wenn der kreative Kopf das Unternehmen verlasse. Mittelfristig könne die Marke allerdings sehr wohl leiden, wenn der Verbraucher feststelle, dass die Marke ihr Qualitätsversprechen nicht mehr halten kann. "Zunächst interessiert es die Verbraucher aber nicht, ob Calvin Klein oder Wolfgang Joop mit ihrer Marke noch etwas zu tun haben oder nicht", sagt Scholz. Jil Sander ist in der Branche ein Beispiel für einen gelungenen Wechsel an der kreativen Spitze einer Modemarke, jedenfalls wenn man die Umsätze betrachtet. Um 16,4 Prozent auf 264 Millionen Mark konnte das Unternehmen den Umsatz im ersten vollen Geschäftsjahr unter dem Dach des italinischen Modekonzerns Prada steigern. Jahresüberschuss: 9,5 Millionen Mark. Auch Jil Sander hat ihr Unternehmen im Streit mit dem Mehrheitseigentümer Prada verlassen. An dem Image der Marke habe sich deswegen nichts geändert, sagt eine Sprecherin des Unternehmens, "auch nicht an dem Erfolg".

"Modeunternehmen sind stark fixiert auf Personen", sagt dagegen Mode-Analyst Michael Winkler von WestLB Panmure. Ob die Trennung von Marke und Person langfristig erfolgreich sein könne, müsse sich auch im Falle Jil Sander erst noch herausstellen. Er nennt allerdings auch ein Gegenbeispiel: Hugo Boss. Dem vom Management geführten Unternehmen sei im Gegensatz zu Joop! die Internationalisierung gelungen. Der Streit zwischen Joop und Wünsche habe der Marke Joop! dagegen sehr geschadet - vor allem auch im Ansehen der Investoren. Außerdem sei "die Marke Joop! im Moment absolut nicht gefragt." Auf jeden Fall sei ein starker Einschnitt bei dem Unternehmen notwendig. Ob es Joop! allerdings gelingen werde, den richtigen kreativen Kopf zu finden, bezweifelt Winkler. "Kreative Menschen sind sehr eitel, sie wollen nicht unter einer abgewirtschafteten Marke arbeiten."

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