Modefirma : Für Escada wird es eng

Die gut 2000 Menschen zählende Escada-Belegschaft hofft auf ein glücklicheres Schicksal. Die Mitarbeiter hoffen, dass sich diese Woche ein Investor für den Modekonzern findet.

Thomas Magenheim

München - Vor kurzem seien alle noch sehr zuversichtlich gewesen, erzählt Ursula Dreyer. „Aber dann hat Quelle für Verunsicherung gesorgt“, sagt die Betriebsratschefin des Münchner Damenmodekonzerns Escada, der Mitte August Insolvenzantrag stellen musste. Das Traditionsunternehmen in Fürth wird gerade abgewickelt, und Tausende verlieren kurzfristig ihren Job. Die gut 2000 Menschen zählende Escada-Belegschaft hofft auf ein glücklicheres Schicksal. In der kommenden Woche könnte der vorläufige Insolvenzverwalter einen Investor für die Münchner Luxusmodefirma präsentieren. Solche Ankündigungen gab es allerdings auch bei Quelle, bevor es dann ganz anders kam. Insofern schwebt das Escada-Personal zwischen Hoffen und Bangen.

„Der Investorenprozess läuft plangemäß und soll zügig abgeschlossen werden“, sagt ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Christian Gerloff wortkarg. Zu Kaufinteressenten oder anderen Details äußere man sich nicht. Escada-Aufsichtsräte sprechen von mehreren ernsthaften Angeboten. Wie weit das Interesse geht, ob es nur den Markennamen betrifft oder auch die Produktion umfasst, sagen sie nicht.

Sechs bis sieben verbindliche Kaufangebote seien in den letzten Tagen bei Gerloff eingegangen, verrät ein Insider. In den nächsten Tagen soll der Kandidatenkreis auf drei oder vier Angebote verengt werden. Vor der förmlichen Eröffnung des Insolvenzverfahrens kommenden Montag oder Dienstag werde aber wohl kein Bieter einen Zuschlag erhalten.

Zwei chancenreiche Interessenten sind namentlich bekannt. Als potenzieller Escada-Käufer geoutet hat sich soeben die Milliardärsfamilie des indischen Stahlbarons Lakshmi Mittal, der mit Arcelor-Mittal der weltgrößte Stahlkonzern gehört. Ein Gebot für Escada abgegeben hat demnach Megha Mittal, die Ehefrau von Lakshmis Sohn Aditya. Im Rennen um Escada ist auch noch eine Investorengruppe um Sven Ley, den Sohn des einstigen Firmengründers Wolfgang Ley. Unterstützt wird er vom italienischen Modemacher Giacomo Santucci und dem Kaufhausinvestor Maurizio Borletti.

Unter den weiteren Interessenten sollen Oaktree und andere Finanzinvestoren sein. Keine Chancen räumen Experten dagegen einer Gruppe um den Münchner Rechtsanwalt Nickolaus Becker mehr ein. Auch Gerüchte, Escada-Chef Bruno Sälzer selbst plane ein Angebot, gelten mittlerweile als abwegig.

Trotz des offenbaren Interesses an der einst ruhmreichen Modefirma tickt die Uhr unerbittlich. Anfang November beginnt die Bestellphase für die neue Escada-Kollektion. „Bislang sind alle treu geblieben – Personal, Lieferanten und Kunden“, sagt ein Insider. Bevor Warenhauskunden jetzt aber bestellen und Lieferanten ihre Produkte freigeben, wollen sie Klarheit und wissen, wer Escada künftig in welche Richtung steuert. Jetzt müsse Farbe bekannt werden.

Die Belegschaft hofft, dass ein Käufer zum Zug kommt, der an Sälzer und seinem durch die Pleite unterbrochenen Sanierungskurs festhält. „Wir haben großes Vertrauen in unser Management“, sagt Dreyer. Deshalb sei das gesamte Kreativpersonal bislang auch an Bord geblieben. Ins Abseits gemanagt haben den nach einem Rennpferd benannten Konzern die Vorgänger des früheren Boss-Managers Sälzer. Thomas Magenheim

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