Modekette : H & M will weiterwachsen – aber wie?

Mit Stardesignern macht die schwedische Modekette auf sich aufmerksam, doch das reicht nicht: Sie haben Schwierigkeiten, neue Märkte zu erschließen. Zudem nehmen ihnen Konkurrenten wie Zara immer mehr Kunden weg.

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In Deutschland laufen die Geschäfte gut. H&M will sogar weitere Läden aufmachen. -Foto: dpa

Stockholm - Der Deutschlandchef von H & M ist auf deutsche Ladenvermieter schlecht zu sprechen. Die würden nämlich der Modekette leere Flächen gar nicht erst anbieten, wenn es am Ort schon einen H&M-Laden gebe, kritisiert Thorsten Mindermann. Dabei verfüge H & M weiterhin über „großes Potenzial“.

Doch das wird nicht nur von den deutschen Gewerberaumvermietern angezweifelt. Eine Stagnation auf Kernmärkten wie Deutschland und Schweden machen auch unabhängige schwedische Branchenanalysten aus. So warnte der für umsichtige Unternehmensanalysen bekannte Verband der Aktiensparer kürzlich vor schwierigen Jahren bei H & M und riet vom Kauf der Aktien ab. Auch renommierte schwedische Finanzblätter wie „Veckans Affärer“ führen den Konzern nicht mehr in ihrem Aktienkauf-Ausblick für 2010 an.

Dabei schüttet der Konzern, der am Donnerstag seine Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vorlegen wird, bislang regelmäßig großzügige Dividenden aus, zudem gilt der Wert als sicher. Dem erfolgsverwöhnten Weltmarktführer geht es blendend: H & M hat so viel Eigenkapital, dass der Konzern 100 Prozent der Gewinne direkt an seine Aktionäre ausschütten könnte. Weltweit öffnen ständig neue Geschäfte. In den USA, die als Markt erst im Jahr 2000 dazukamen, gibt es bereits 157 Filialen. Doch das reicht nur für Platz fünf der umsatzstärksten Länder – nach Deutschland, Schweden, Großbritannien und Frankreich.

Doch obwohl die Kette weiter wächst und jetzt auch in Russland Läden aufmachen will, zeichnen sich Probleme ab. Denn ein Großteil der Umsatzsteigerungen kommt nach wie vor aus den etablierten Kernmärkten. Jüngere, unbearbeitetere Absatzregionen mit frischen Filialen sind Mangelware. Ein Viertel des Weltumsatzes entfällt auf Deutschland, ein Drittel auf Deutschland und Schweden zusammen.

Doch diese Märkte stehen vor der Sättigung – Schweden noch mehr als Deutschland. Auch der Nordamerika-Markt läuft schlechter als erwartet. In den USA hat H & M zudem Imageprobleme. Der Konzern hatte kürzlich in New York unverkaufbare Kleider zerstören lassen, statt sie Bedürftigen zu spenden. Die Presse machte das zu einem großen Skandal.

Hinzu kommt die wachsende Konkurrenz. Der spanische Erzrivale Inditex, nach GAP und H & M die Nummer drei auf dem Weltbekleidungsmarkt, betreibt erfolgreich Marken wie Zara, Lefties und Massimo Dutti. Inditex produziert ein Drittel der Waren in eigenen Fabriken. Die Hälfte der Produktion findet unmittelbar in Spanien, Portugal oder Marokko statt. So kann der Konzern viel schneller auf Währungs- oder Konjunkturschwankungen reagieren als die Schweden. Dagegen will H & M die Produktionskosten klein halten und lässt seine Kleidung von Subunternehmern vor allem im weit entfernten Bangladesch, aber auch in der Türkei nähen.

Auch andere Wachstumsstrategien wie die Premium-Kette COS bleiben hinter den Erwartungen zurück, schätzen Branchenkenner. Konkrete Auskünfte über einzelne Geschäftsbereiche gibt der Konzern aber nicht. Auch das ist ein Problem: Analysten und Anleger aus aller Welt mögen solche Heimlichtuereien, die typisch für skandinavische Familien-Großunternehmen sind, nicht.

Selbst die geschickt ausgetüftelten Stardesigner-Aktionen (Sonia Rykiel, Jimmi Choo, Karl Lagerfeld, Stella McCartney) können den Absatz nur kurzfristig stimulieren. Deshalb hofft der Konzern auf zusätzliche Stimulanz durch neue Verkaufswege, etwa das Internet und Kataloge.

Erfolg sollen auch neue Marken bringen. H & M hat die kleinen schwedischen Ketten Monki (für modebewusste, sparsame junge Kundinnen) und Weekday (Streetwear für beide Geschlechter) übernommen. In Hamburg und Essen hat H & M vor kurzem erste Testläden aufgemacht. Insgesamt gibt es 20 Filialen beider Ketten, größtenteils in Schweden. In Schweden kommen Monki und Weekday gut an. Wenn es auch in Deutschland gut laufen sollte, könnten eine weltweite Expansion und der sukzessive Aufkauf weiterer und vielleicht auch größerer Ketten durch H & M folgen, spekulieren Branchenkenner.

„Mit den neuen Formaten haben wir aber erst mal genug zu tun“, beschwichtigt Konzernchef Karl-Johan Persson – vielleicht auch, um der Konkurrenz nicht den Eindruck eines baldigen Übernahmekrieges in der Textilbranche zu geben. „Aber wir haben natürlich eine Menge Ideen, und es kann gut sein, dass noch weitere Aktivitäten starten werden“, kündigte der Chef im selben Atemzug an.

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