Wirtschaft : Modellbahn-Hersteller Märklin will sich modernisieren

Rolf Obertreis

Der renommierte Modelleisenbahnhersteller Märklin ringt mit einem schwierigen Umfeld, kann sich allerdings nach Einschätzung von Geschäftsführer Wolfgang Topp gegen den allgemein schwachen Trend im Spielzeugmarkt behaupten. 1998 konnte Märklin den Umsatz um rund 1,4 Prozent oder 4,2 Millionen Mark auf 300,2 Millionen Mark steigern. Zwar bewegt sich das Unternehmen weiter in den schwarzen Zahlen, wie Topp betont, aber mit der Rendite ist man in Göppingen nicht zufrieden. "Wir müssen das Umsatzwachstum von der Kostenentwicklung abkoppeln", betont der Geschäftsführer und verweist darauf, dass derzeit alle Märklin-Standorte genau unter die Lupe genommen würden, um Rationalisierungsmöglichkeiten zu finden. Dabei seien auch personelle Konsequenzen nicht ausschließen.

Das Marktumfeld für den Spielwarenhandel ist nach Ansicht von Topp durch sinkende Kaufkraft, hohe Arbeitslosigkeit, steigende Steuern auf der einen Seite sowie Geburtenrückgang und neue Konsumtrends von Kindern und Jugendlichen auf der anderen Seite gekennzeichnet. Trotzdem sieht Topp das Marktpotential für Märklin noch längst nicht ausgeschöpft. "Wir müssen diese Chancen nur wahrnehmen". In den vergangenen Jahren habe es dabei unter anderem auch deshalb Probleme gegeben, weil Märklin durch eine zu schwache Lieferquote die Nachfrage nicht befriedigen konnte. Eine Steigerung im zweistelligen Bereich wäre möglich gewesen. Ein weiterer Schwachpunkt des Unternehmens ist nach Ansicht von Topp die zu lange Zeitspanne von der Produktidee bis zur Realisierung. Sie liegt derzeit bei 20 bis 24 Monaten und soll nun auf rund 15 Monate gedrückt werden. "Im Kern wollen wir hin zu einer marktorientierten Fertigungsstruktur, die sich fundamental von der bisherigen Produktionskultur des Abarbeitens von Auftragsbeständen unterscheidet." Auch die Produktpalette sei zu groß. Deshalb wird Märklin sogar den Metallbaukasten, der seit 1914 verkauft wird, aus dem Sortiment nehmen. Insgesamt 450 der derzeit rund 3000 Einzelartikel werden gestrichen.

Trotz dieser internen und externen Schwierigkeiten ist die Position von Märklin nicht nur nicht bedroht, sondern nach Ansicht von Topp sogar ausbaufähig. Bei einem Marktanteil von 80 Prozent und bei einer "sicheren und stabilen Auftragsdecke" werde Märklin auch 1999 moderat wachsen. Es zeichne sich bereits jetzt ab, dass man die hohen Abverkaufszahlen der Marken Märklin und Trix halten könne. Und man habe das klare Ziel, dieses Wachstum in den nächsten Jahren auszubauen.

Rund 25 Millionen Mark hat Märklin 1998 in die Werke in Göppingen, im thüringischen Sonneberg und im ungarischen Györ gesteckt. Diese Investitionsquote soll gehalten werden, zumal seit Jahresanfang in der Produktion, im Vertrieb und in der Verwaltung organisatorische Veränderungen hin zu schlankeren und effizienteren Strukturen umgesetzt werden. "Die vorhandene, in 140 Jahren gewachsene Unternehmensorganisation gelangt langsam an ihre Kapazitätsgrenzen", sagt Topp. Märklin hat im vergangenen Jahr die Zahl der Beschäftigten leicht erhöht: In Inland stieg sie von 1852 auf 1885 und im Ausland von 334 auf 336. Damit zählte Märklin Ende 1998 insgesamt 2221 Mitarbeiter.

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