Wirtschaft : Modelloffensive gegen die Rezession

Schwacher Absatz, kaum Gewinn – schlechte Zeiten für Autohersteller. Der neue Golf markiert den Wendepunkt

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Berlin/München (fo/nad). Die Automobilindustrie ist nach vier Jahren Rezession am Tiefpunkt angekommen. Zwar sind Absatz und Gewinn im ersten Halbjahr bei fast allen großen Herstellern erneut eingebrochen, und die Quartalsergebnisse von Daimler Chrysler, Renault und Peugeot am Donnerstag sowie von Europas größtem Autohersteller Volkswagen am Freitag versprechen nichts Gutes. Doch die Wende ist in Sicht. Die neue BMW 5er Reihe ist gut angelaufen, und VW startet im Oktober mit der fünften Generation seines Erfolgsmodells Golf. Bis Ende nächsten Jahres werden über 20 neue Modelle auf den Markt kommen und damit nach Einschätzung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer für einen Aufschwung am Automarkt sorgen.

Der Professor an der Fachhochschule Gelsenkirchen und Mitinhaber des PrognoseInstituts B & D Forecast ist sogar überzeugt davon, dass die „Autoindustrie eine der ersten Branchen sein wird, die den Konjunkturumschwung einleitet.“ Der absolute Tiefpunkt sei mit der Markteinführung des Golf durchschritten. Laut Dudenhöffer fahren auf Deutschlands Straßen rund 3,6 Millionen VW-Golf. Das Interesse am neuen Modell und der Ersatzbedarf seien daher groß. Ob der Wolfsburger Konzern tatsächlich schon in diesem Jahr 130 000 neue Fahrzeuge dieses Modells produzieren will, wird vom Unternehmen nicht kommentiert. In der Sommerpause rüstet VW erst einmal seine Produktionsanlagen um, im September wird der Golf offiziell auf der Internationalen Automobilausstellung präsentiert. Die Modell-Offensive startete im ersten Halbjahr Opel mit dem neuen Vectra. Ergebnis: Die Rüsselsheimer legten beim Absatz um sechs Prozent zu, alle anderen großen Hersteller verloren.

Der Münchener Autobauer BMW hält an seinem Ziel fest, in diesem Jahr bei allen Marken Absatzsteigerungen zu erreichen. Der Start des neuen 5er-BMW Anfang Juli sei sehr gut verlaufen, sagte Konzernchef Helmut Panke am Dienstagabend in München. „Wir fahren das Ding mit Turbogeschwindigkeit nach oben“, sagte Produktionsvorstand Norbert Reithofer. Damit will BMW den Rückstand bei den Verkäufen aufholen, der im ersten Halbjahr im Vorfeld der 5er-Einführung entstanden war. Zahlen für das zweite Quartal will BMW erst am 7. August bekannt geben. Panke kündigte an, dass BMW seine Vertriebsorganisation ausbaut und ab Oktober auch in Griechenland, Irland, Dänemark und Luxemburg direkte Marktverantwortung übernehmen wird. Bisher bediente BMW diese Märkte über Importeure. Erstmals seit dem Ende der Metallerstreiks hat BMW ein klares Bekenntnis zu seinem Produktionsstandort Leipzig abgelegt. In dem neuen Werk würden wie ursprünglich geplant 5000 Arbeitsplätze geschaffen, sagte Personalvorstand Ernst Baumann. Allerdings werde man geplante stufenweise Erweiterungen des Leipziger Werkes genau überprüfen.

Der Sportwagenhersteller Porsche hat unterdessen angekündigt, sein erst vor knapp einem Jahr eröffnetes Montagewerk in Leipzig auszubauen. Nach Angaben eines Sprechers soll das für den erfolgreichen Gelände-Sportwagen „Cayenne“ gebaute Werk erweitert werden. Das wirke sich auch auf die Beschäftigtenzahl in Leipzig aus. Damit schürte das Unternehmen erneut Spekulationen, dass Porsche eine Sechszylinder-Version des Cayenne auf den Markt bringt.

Doch nicht diese Nischenmodelle, sondern die Brot-und-Butter-Autos sind es, die für Absatz und Gewinn sorgen. Neben dem Golf sind für den Januar nächsten Jahres der neue Opel Astra angekündigt, im Juli soll der Ford Focus folgen. Vor allem diese Modelle, so der Autoexperte Dudenhöffer, werden den Markt ankurbeln. Hinzu komme die vorgezogene Steuerreform der Bundesregierung, die sich „wohltuend“ auf die Einkommen der Verbraucher auswirke, und die Tatsache, dass die 44 Millionen Pkw in Deutschland inzwischen im Schnitt acht Jahre alt seien. Weil die Industrie mit ihren zahlreichen neuen Modellen „ihre Hausaufgaben gemacht hat“ übernehme die Branche „eine Vorreiterrolle bei der Konjunkturbelebung“.

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