Modellprojekt : Kluge Stromzähler, kluge Kunden

Intelligente Stromzähler sind die Zukunft. Zumindest wenn man den Stromanbietern Glauben schenken will. Vattenfall testet die Geräte mit einem Modellprojekt im Märkischen Viertel.

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In den Urlaub starten die Leute notfalls zu nachtschlafender Zeit, um nicht in den Stau zu geraten. Einkaufen gehen sie auch möglichst dann, wenn es leer ist. Aber den meisten Strom verbrauchen sie oft gerade dann, wenn die Kraftwerke bereits unter Volldampf laufen. Die Energieversorger wollen diese Verbrauchsspitzen glätten, um mit weniger Reserven auszukommen. Und unabhängige Experten mahnen, dass die Nachfrage ans (wetterbedingt schwankende) Ökostromangebot angepasst werden muss – zumal sich Strom bisher kaum speichern lässt.

Als erster Schritt gilt der Einbau intelligenter Stromzähler, Smart Meter genannt. Im Märkischen Viertel in Berlin-Reinickendorf läuft zurzeit ein Großversuch mit 10 000 Haushalten. Netzbetreiber Vattenfall hat den Mietern digitale Stromzähler spendiert, die nicht nur zählen, sondern auch den aktuellen Verbrauch sowie die Bilanz von Tag, Woche, Monat und Jahr anzeigen. Rund 1400 Testkunden haben sich für die aufwendigeren, aber auch komfortableren Varianten entschieden, die die Daten auf Fernseher, iPhone oder PC übertragen. Dort werden zusätzlich Stromkosten und CO2-Bilanz angezeigt.

Aus Befragungen weiß Vattenfall allerdings, dass die Kunden sich deutlich mehr fürs Geld interessieren als fürs Klima. Die meisten nutzten die neue Technik, um Stromfresser im Haushalt aufzuspüren. Das Ziel, möglichst viel Stromverbrauch auf die Nebenzeiten – Nächte und Wochenenden – zu verlagern, wollen sie nur bei entsprechenden Anreizen unterstützen: 90 bis 120 Euro jährliche Ersparnis sollten es nach dem Willen der meisten schon sein. Mehr als ein Drittel der Befragten zeigten sich grundsätzlich interessiert an einem Tarif mit günstigem Nebenzeitstrom.

Die Versorger müssen solche Tarife seit Jahresbeginn schon anbieten, aber die Nachfrage ist bisher gering. Kein Wunder, wie eine Studie des Vergleichsportals Verivox kürzlich zeigte: Das durchschnittliche Einsparpotenzial bei den Tarifen der 100 größten Grundversorger liege für eine Familie mit 4000 Kilowattstunden Jahresverbrauch bei 18 Euro. Der Wechsel des Anbieters bringe deutlich mehr, resümierte Verivox.

Bei Sanierungen ist der Einbau von intelligenten Stromzählern bereits Pflicht. Laut einer EU-Vorgabe sollen bis 2020 vier Fünftel aller Haushalte damit ausgestattet sein. Dafür muss nicht nur in Stromzähler, sondern auch in Aufklärung investiert werden. Die Berliner Testkunden schätzten den Anteil der Nebenzeiten auf knapp 30 Prozent ihres Stromverbrauchs. Tatsächlich liegt der Anteil doppelt so hoch. Der Irrtum mag auch daran liegen, dass die Kunden den Verbrauch von Kühlschränken und Elektroherden unterschätzten. Nach einer weiteren Befragung will Vattenfall das Konzept weiterentwickeln. Bis jetzt sieht es nach einem schwierigen Fall aus.

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