Wirtschaft : Moderator für einen gerechten Handel

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von Carsten Brönstrup

Eine solche Chance bekommen die Entwicklungsländer so schnell nicht wieder. Supachai Panitchpakdi ist der erste Chef der Welthandelsorganisation WTO, der aus einem Entwicklungsland kommt, genauer: aus Thailand. Er kann für die armen Länder nun erstreiten, was ihnen die Industrienationen vorenthalten haben: eine gerechte Globalisierung, Freihandel, Zugang zu den Fleischtöpfen der reichen Welt. Denn Armut und Hunger werden nie verschwinden, wenn Europa und Amerika ihre Agrarmärkte weiter abschotten und ihre Bauern mit Milliarden subventionieren. Panitchpakdi hat es nun in der Hand, für Regeln zu sorgen, die auch Afrika und Asien Wohlstand bringen.

Doch dabei muss der Ex-Handelsminister vorsichtig zu Werke gehen. An seinem ersten Arbeitstag in Genf zog Panitchpakdi bereits lautstark gegen die ungerechte Weltwirtschaftsordnung zu Felde und pochte auf mehr Gerechtigkeit für die Armen. Zwar hat sein Vorgänger Mike Moore auch mit seiner Meinung nie hinter dem Berg gehalten – nur wusste Moore die reichen Länder der WTO hinter sich. Panitchpakdis Hausmacht dagegen ist weniger mächtig – deshalb tut er gut daran, sich auf stilles, aber bestimmtes Moderieren zu verlegen. Dafür hat er immerhin drei Jahre Zeit. Die muss er auf das Bohren dicker Bretter verwenden: Er muss den neuen Handelsstreit zwischen Amerika und Europa schlichten, der auch der Dritten Welt schaden kann. Und er muss Weltbank und Währungsfonds auf seine Seite ziehen – die beiden anderen wichtigen Institutionen, die mit ihrer Politik über die Zukunft der Globalisierung und der armen Länder entscheiden.

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