Wirtschaft : Mogelpackung

Viele Firmen haben ihre Produkte vor der Mehrwertsteuererhöhung verteuert, indem kleinere Mengen angeboten werden

Maren Peters

Berlin - Trotz gegenteiliger Beteuerungen des Handels sind die Preise im Vorfeld der Mehrwertsteuererhöhung zum Teil kräftig gestiegen, weil viele Hersteller bei den Verpackungen tricksen. „Diese Preiserhöhungen bekommt der Verbraucher nicht mit, weil sie versteckt sind“, sagt Armin Vallet von der Verbraucherzentrale Hamburg.

So sind bei unverändertem Preis in der Pringles-Packung heute nur noch 170 statt 200 Gramm Chips drin, was einer Verteuerung um 17,6 Prozent entspricht. Das Vitalis-Müsli muss mit 600 statt 750 Gramm Füllung auskommen (plus 25 Prozent), und in der Tempo-Box sind nur noch 80 statt 100 Packungen Taschentücher – eine Preiserhöhung um 25 Prozent. „Das ist eine Irreführung und Täuschung der Verbraucher“, kritisiert Christian Fronczak vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv), der „mehr Wahrhaftigkeit in der Kennzeichnung“ fordert. Illegal seien die Mogelpackungen aber nicht.

Das Problem könnte sich bald verschärfen. Die Europäische Union plant, Standard-Verpackungsgrößen bei Lebensmitteln, wie die 100-Gramm-Tafel Schokolade, bald ganz abzuschaffen. Dann wird es noch schwerer, die Preise im Supermarkt zu vergleichen.

Eine lange Liste versteckter Preiserhöhungen hat die Verbraucherzentrale Hamburg (www.vzhamburg.de) zusammengetragen. Deren Ernährungsexperte Vallet sammelt zwar schon seit zwei Jahren Beispiele, aber „vor der Mehrwertsteuererhöhung haben die Beschwerden zugenommen“, sagte er dem Tagesspiegel. Das bestätigt auch der vzbv.

Die Ernährungsindustrie gibt zu, dass die Lebensmittelpreise im vergangenen Jahr gestiegen sind, verteidigt das aber mit gestiegenen Rohstoffpreisen. „Das hat zu Teuerungen geführt“, sagt Sabine Eichner, die Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Ernährungsindustrie. Eigentlich müssten sie noch höher ausfallen, sagt sie, aufgrund des harten Wettbewerbs sei es aber schwer, notwendige Erhöhungen gegenüber dem Handel durchzusetzen. Den „zunehmenden Kostendruck“ machte auch ein Hersteller von Baby-Pflegetüchern dafür verantwortlich, dass er heute 90 statt 100 Tücher für den gleichen Preis verkauft. Nur so hätten die „vom Verbraucher gelernten und akzeptierten Preispunkte beibehalten werden können“, heißt es in einer Stellungnahme für die Verbraucherzentrale. Der Handelsverband HDE hatte stets betont, dass wegen des starken Wettbewerbs nur ein Drittel der Mehrwertsteuererhöhung an die Verbraucher weitergegeben werden könne, und spricht bei den versteckten Preiserhöhungen von Einzelfällen.

In den Statistiken tauchen diese Preiserhöhungen naturgemäß nicht auf. Das Statistische Bundesamt hat zum Jahresende noch keine Teuerung bei den Verbraucherpreisen registriert, und den vorläufigen Verbraucherpreisindex für Januar gibt es erst am Monatsende.

Obwohl die Teuerungen nicht offensichtlich sind, haben sich Verbraucher beim Einkaufen im Januar bereits zurückgehalten. „Wir erwarten, dass sich das Konsumklima zu Jahresbeginn weiter abgeschwächt hat“, sagt Rolf Bürkl von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), der heute die aktuellen Januar-Zahlen vorstellen wird. Viele Verbraucher seien aufgrund befürchteter Preiserhöhungen infolge der Mehrwertsteuererhöhung verunsichert. Anders als nach der Euro-Einführung 2002, wo es einen ähnlichen Effekt gab, rechnet der GfK-Experte diesmal aber mit einer schnellen Erholung. Im Gegensatz zu damals sei die Wirtschaft jetzt im Aufschwung: „Wir gehen davon aus, dass sich das Konsumklima relativ zügig wieder stabilisiert“, sagt Bürkl.

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