Wirtschaft : Mohn blockt Bertelsmann-Börsengang

Verlegerfamilie hat Vorkaufsrecht für Anteile des Miteigners Albert Frère

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Frankfurt am Main / Düsseldorf - Die Verlegerfamilie Mohn besitzt im Streit über die Zukunft des Medienkonzerns Bertelsmann bessere Karten als bisher gedacht. Nach Informationen des „Handelsblatts“ aus dem Umfeld von Bertelsmann verfügt sie über ein Vorkaufsrecht für den Anteil von 25,1 Prozent der Groupe Bruxelles Lambert (GBL) des belgischen Milliardärs Albert Frère. In umfangreichen Verträgen mit der belgischen Finanzholding GBL hat sich die Familie über die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) insgesamt 30 Tage Zeit einräumen lassen, die Anteile zurückzukaufen, sollte Frère den Börsengang (IPO) verlangen, hieß es in den Kreisen. Wenn es zu keiner Einigung mit GBL komme, liefen die Vorbereitungen für eine Aktienemission an, heißt es. Bisher war der Eindruck entstanden, dass die Familie Mohn nur dann ein Vorkaufsrecht besitzt, wenn Frère seinen Anteil an Bertelsmann an Dritte verkaufen würde.

Ein Bertelsmann-Sprecher wollte das Vorkaufsrecht nicht kommentieren. Er verwies auf ein zwei Jahre altes Statement. Darin heißt es: „Im Zuge des im November 2003 vollzogenen Rückkaufs aller von der ,Zeit‘-Stiftung gehaltenen Anteile an der Bertelsmann AG haben sich GBL und BVG darauf geeinigt, dass GBL nunmehr ab Mai 2006 ein Börsenlisting verlangen und im Zug dieser Börsenzulassung ihre Anteile am Kapitalmarkt verkaufen kann. Die BVG hat ihrerseits das Recht, GBL den Rückkauf der Aktien anzubieten. Im Falle eines Verkaufs an Dritte vor einem IPO steht der BVG ein Vorerwerbsrecht zu.“ GBL wollte die rechtliche Situation nicht kommentieren.

Der ungeliebte Mitgesellschafter Frère kann über die GBL einen Tag nach der Hauptversammlung von Bertelsmann am 22. Mai den Börsengang fordern. Der frühere Stahlbaron ließ zuletzt mitteilen: „GBL hat entschieden, sein Recht wahrzunehmen und von Bertelsmann zu fordern, einen Börsengang zu starten.“ GBL hält 25,1 Prozent der Anteile. Doch die Eigentümerfamilie um Liz und Reinhard Mohn mit den Kindern Brigitte und Christoph will offenbar einen Börsengang verhindern. Der Wert der GBL-Beteiligung ist umstritten. Während nach Informationen aus Bertelsmann-nahen Finanzkreisen die Anteile von Frère nur 3,1 bis 3,5 Milliarden Euro wert sind und das auch mit einem Abschlag Bertelmanns gegenüber reinen Medienkonzernen wie Springer und Pro Sieben Sat 1 begründet wird, verlangt Frère vier bis fünf Milliarden. Nach Einschätzung aus Finanzkreisen liegt die Schmerzgrenze bei Familie Mohn für einen Rückkauf zwischen 3,5 bis 3,7 Milliarden Euro. Sie will die Anteile nicht mit aller Gewalt kaufen, heißt es in Gütersloh. Eine hohe Verschuldung wollten die Mehrheitsgesellschafter vermeiden.

Bislang herrscht allerdings Funkstille zwischen BVG und GBL. Verhandlungen würden voraussichtlich erst mit dem erwarteten Antrag Frères für einen Börsengang am 23. Mai aufgenommen, berichten Insider. Nach Ablauf der 30-tägigen Vorkaufsfrist können dann auch die Vorbereitungen für einen Börsengang beginnen. Die BVG kann aber viele Hürden aufbauen, um den Börsengang zu erschweren. Nach Ansicht aus Bertelsmann-Kreisen könnten gerichtliche Auseinandersetzungen die Emission über Jahre hinaus verzögern. rob/hps (HB)

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