Wirtschaft : Molkerei-Fusionen sollen den Bauern helfen

Strategie gegen Preisdruck durch Discounter

Alexander Visser

Berlin – Angesichts historisch niedriger Milchpreise fordert der Deutsche Bauernverband Zusammenschlüsse deutscher Molkereibetriebe, um deren Verhandlungsmacht gegenüber dem Einzelhandel zu stärken. „Die Firmen sollten fusionieren oder gemeinsame Verkaufskontore bilden, sonst werden sie von den Discountern weiterhin in die Ecke gedrückt“, sagte Helmut Born, Generalsekretär des Bauernverbandes, dem Tagesspiegel. Born forderte zudem Verbraucherministerin Renate Künast auf, sich für höhere Milchpreise einzusetzen: „Das würde zu ihrem Motto ,Klasse statt Masse’ passen.“

Der im Frühjahr von der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) ermittelte Preis von 27,7 Cent pro Kilo Milch ist der niedrigste seit 1977. Er sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Cent. Dem Verband zufolge sind deshalb viele Milchbetriebe, die mit steigenden Energie- und Futterkosten zu kämpfen hätten, in ihrer Existenz bedroht.

Auf Grund ihrer hohen Abnahmequoten können vor allem Discounter wie Aldi und Lidl die Molkereigenossenschaften unter Druck setzen. Zuletzt hatte Aldi den Preis um ein Cent pro Kilo gedrückt. Die „Lebensmittelzeitung“ berichtete am Freitag, Lidl habe in Verhandlungen einen weiteren Abschlag von zwei Cent gefordert. „Angesichts dieses Drucks werden die Bauern ihre Protestaktionen gegen die Discounter fortsetzen“, kündigte Born an. In den vergangenen Wochen hatten Landwirte mehrfach vor Auslieferungslagern von Lidl und Aldi gegen die Niedrigpreise demonstriert.

Die Verhandlungen sorgen auch für Streit unter den Molkereien. Große Anbieter wie Nordmilch, Humana oder Hochwald versuchen, höhere Preise durchzusetzen. Dagegen kritisierte der Bauernverband, die Molkereien Campina, Müller Milch und Milch-Union Hocheifel seien den Discountern zu weit entgegengekommen. Daher drängt der Verband die Molkereien jetzt zu enger Kooperation und Zusammenschlüssen.

Die Wut der Bauern bekam Verbraucherministerin Künast am Freitag auf der brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung zu spüren. Landesbauernpräsident Udo Folgart warf der rot-grünen Regierung vor, bei der Auseinandersetzung mit den Discountern zu versagen. Künast erwiderte: „Ich kann nicht den Preis bestimmen“. Die Bauern können jetzt nur hoffen, dass die Marktprognose der ZMP eintrifft: Danach könnten die Preise in der zweiten Jahreshälfte wieder anziehen.

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