Wirtschaft : Molltöne bei britischem Musikkonzern Emi

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London (slo/HB). Die Flaute auf dem Musikmarkt und einige hausgemachte Probleme haben tiefe Spuren in der Bilanz der britischen Emi Group Plc hinterlassen. Der Musikkonzern hat im vergangenen Geschäftsjahr, das im März endete, einen Gewinn vor Steuern von 153 Millionen Britischen Pfund (242 Millionen Euro) erwirtschaftet – nach knapp 260 Millionen Pfund im Vorjahr. Unterm Strich hat der Konzern am Dienstag einen Verlust von knapp 200 Millionen Pfund gemeldet. Im Vorjahr fuhr Emi noch einen Gewinn von 80 Millionen Pfund ein. Der Gewinneinbruch sowie eine Halbierung der Dividende auf acht Pence pro Aktie hatten Experten erwartet. Der Aktienkurs fiel im Tagesverlauf dennoch um mehr als fünf Prozent auf 274 Pence auf Grund der derzeit trüben Aussichten der Branche.

Der Emi-Konzern, der Stars wie Mick Jagger und Kylie Minogue, Pink Floyd und die Beatles unter Vertrag hat, kämpft vor allem auf dem US-Markt mit schwachen Umsätzen. Dem Unternehmen ist es nicht gelungen, in den USA erfolgreich zu expandieren. Insgesamt hat das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2,4 Milliarden Pfund umgesetzt und damit acht Prozent weniger als im Vorjahr. Zwei gescheiterte Fusionsversuche sowie erfolglose und teilweise zu teuer bezahlte Stars belasteten den Konzern zusätzlich. Die Trennung von US-Popsängerin Mariah Carey nach dem Flop ihres Albums „Glitter“ kostete Emi beispielsweise 32 Millionen Euro. Weltweit ist das Unternehmen nach Marktanteilen die Nummer vier auf dem Plattenmarkt – hinter Universal, Sony und Warner.

Emi reagierte mit einem Sparprogramm auf die Probleme. Der Konzern baut knapp 1800 und damit etwa ein Fünftel aller Stellen ab und reduziert die Anzahl der unter Vertrag stehenden Künstler. Für die nächsten Jahre kündigte Emi-Chef Eric Nicoli ein „substanziell besseres Ergebnis“ an. Durch die Restrukturierung des Konzerns werde eine solide Basis für künftige Gewinne geschaffen. Emi erwartet in diesem Jahr ein Wachstum von höchstens 2,5 Prozent. Der britische Konzern will innerhalb der nächsten drei Jahre eine operative Gewinnmarge von elf bis 13 Prozent erreichen. Im vergangenen Geschäftsjahr lag die Marge bei unter fünf Prozent.

Branchenexperten reagierten mit Skepsis auf den Optimismus des Unternehmenschefs. Es gebe noch einige Risiken bei dieser Kalkulation, sagte ein Analyst von Merrill Lynch. Es sei noch sehr ungewiss, ob und wann sich der Musikmarkt wieder erholen werde und die Umsätze wieder anziehen würden. Merrill Lynch erwartet zunächst, dass der Vorsteuergewinn auf Grund des Sparprogramms bei Emi in diesem Jahr auf mehr als 200 Millionen Pfund steigt.

Ein anderer Londoner Analyst kritisierte, die Musikbranche habe noch immer keine Lösung gefunden, wie sie mit Musikpiraterie im Internet umgehen soll. Dieses Problem werde die Umsätze der Plattenkonzerne daher weiterhin belasten. Hinzu käme ein spezielles Emi-Problem: Der Konzern hat vor mehr als einer Woche seine Beteiligung HMV an die Börse gebracht. Der Börsengang der Handelskette, die Musik, Bücher und Videos verkauft, gilt jedoch als Flop. Der Ausgabepreis lag am unteren Rand der Spanne, und am ersten Börsentag fiel der Aktienkurs unter den Emissionspreis. Emi hat nach dem Gang aufs Parkett einen Anteil von 22 Prozent an HMV.

Der britische Konzern muss zurzeit auch noch um eines der Aushängeschilder des Konzerns fürchten: Das Unternehmen verhandelt mit Robbie Williams um eine Verlängerung seines Vertrages, der im Februar nächsten Jahres ausläuft. In der Branche heißt es, dass der Sänger aber auch mit der Konkurrenz in Verhandlungen steht – mit Weltmarktführer Universal.

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